Der ganz große Durchbruch auf der ATP-Tour steht noch aus. Trotzdem gehört Lukas Neumayer längst zu Österreichs interessantesten Tennisspielern. Der Salzburger arbeitete sich über die ITF-Tour bis an die Spitze der Challenger-Ebene, gewann 2026 seine ersten beiden Titel auf dieser Stufe und stand bereits auf Rang 157 der Weltrangliste. Sein Weg nach oben verlief dabei weniger spektakulär als konsequent. Neumayer galt früh als großes Talent, musste sich im Profitennis aber jede Stufe erarbeiten.
Tennis statt Golf
Neumayer wurde am 6. September 2002 in Salzburg geboren und lebt in Eben im Pongau. Sport spielte in seiner Familie früh eine große Rolle. Seine Eltern Harald und Birgit waren selbst im Tennis aktiv, mit fünf Jahren griff auch Lukas erstmals regelmäßig zum Schläger. Dabei hätte seine Karriere durchaus in eine andere Richtung führen können. In jungen Jahren gehörte Neumayer sowohl im Tennis als auch im Golf zu den besten Nachwuchsspielern Österreichs. Irgendwann musste er sich entscheiden. Die Wahl fiel auf Tennis.
Auf der Juniorentour etablierte sich Neumayer rasch international. Er schaffte es bis auf Rang 27 der Junioren-Weltrangliste und erreichte 2020 bei den French Open das Viertelfinale. Dort scheiterte er am späteren Sieger Dominic Stricker. Schon damals wusste Neumayer, wo seine größten Reserven lagen. „Die Konstanz ist auf jeden Fall einer der wichtigsten Faktoren, an denen ich arbeiten muss. Das heißt, vom ersten bis zum letzten Punkt ein solides Tennis auf den Platz zu bringen, ohne größere negative Ausschläge. Das ist etwas, das ich ganz sicher noch verbessern muss“, sagte er 2021. Sein Spiel basiert auf druckvollen Grundschlägen, vor allem die Vorhand zählt zu seinen Stärken.

Mit Gerald Kamitz arbeitet Neumayer bereits seit vielen Jahren zusammen. In Österreich trainierte er zudem im Umfeld von Günter Bresnik und bekam dadurch früh die Möglichkeit, mit etablierten Profis wie Gael Monfils oder David Goffin zu trainieren.
Über die ITF-Tour zu den Challengern
Seinen Einstieg ins Herrentennis hatte Neumayer 2020. Im Februar 2022 holte er in Antalya seinen ersten ITF-Titel, bis 2023 kamen insgesamt fünf Turniersiege auf dieser Ebene zusammen. Damit war der nächste Schritt vorgezeichnet. Neumayer verlagerte seinen Kalender zunehmend auf die Challenger-Tour. Dort zeigte sich allerdings schnell, wie schwierig der letzte Schritt zum Titel sein kann. 2023 erreichte er in Salzburg sein erstes Challenger-Finale, verlor dort aber gegen Sebastian Ofner. Weitere Endspiele folgten. Insgesamt sechsmal stand Neumayer in einem Challenger-Finale, sechsmal ging er als Verlierer vom Platz.
Trotzdem ging es im Ranking kontinuierlich nach oben. Im August 2025 erreichte er mit Position 157 seine bislang beste Platzierung in der Weltrangliste. Auch auf größerer Bühne gelangen erste Achtungserfolge. 2024 besiegte Neumayer in Kitzbühel ausgerechnet Ofner und feierte damit seinen ersten Sieg in einem ATP-Hauptfeld.
Besonders stark präsentierte er sich außerdem im Davis Cup. Bei seinem Debüt gegen die Türkei gewann er gegen Cem Ilkel. Anfang 2025 folgte gegen Finnlands damalige Nummer eins Otto Virtanen ein weiterer wichtiger Erfolg. „Ich habe gesehen, dass ich gegen solche Spieler gewinnen kann. Jetzt gilt es, das das ganze Jahr durchzuziehen“, sagte Neumayer anschließend. Genau darin liegt der entscheidende Schritt auf dem Weg Richtung Weltspitze.
2026 fällt die nächste Hürde
Im Frühjahr 2026 gelang schließlich der Durchbruch auf Challenger-Ebene. Im italienischen Barletta erreichte Neumayer erneut das Finale. Diesmal ließ er sich auch von einem verlorenen ersten Satz nicht aus der Ruhe bringen und bezwang Michele Ribecai in drei Sätzen. Nach sechs verlorenen Endspielen war der erste Challenger-Titel geschafft.
Nur wenige Wochen später legte Neumayer nach. In Vicenza gewann er auch sein nächstes Finale und besiegte Jacopo Vasami klar in zwei Sätzen. Aus sechs Finalniederlagen waren plötzlich zwei Titel in Folge geworden. Auch bei den French Open zeigte sich der Fortschritt. Neumayer erreichte 2026 die dritte und letzte Qualifikationsrunde und verpasste sein erstes Grand-Slam-Hauptfeld nur knapp.
Sein bevorzugter Belag bleibt Sand. Dort kommen sein druckvolles Grundlinienspiel und seine Vorhand besonders gut zur Geltung. Genau deshalb hat er sich auf den europäischen Challengern mittlerweile fest etabliert. Der nächste Schritt ist klar. Auf Challenger-Ebene kann Neumayer inzwischen Turniere gewinnen, auf der ATP-Tour fehlt noch die nötige Regelmäßigkeit. Auch ein Grand-Slam-Hauptfeld wartet weiterhin.
Dass er gegen Top-100-Spieler bestehen kann, hat der Salzburger bereits mehrfach gezeigt. Nun geht es darum, solche Leistungen Woche für Woche abzurufen. Neumayers bisherige Karriere ist deshalb vor allem eine Geschichte von Geduld. Vom starken Junior über die ITF-Tour und sechs verlorene Challenger-Endspiele bis zu seinen ersten großen Titeln ging es stetig nach oben. Der schnelle Durchbruch blieb aus. Dafür hat sich der 23-Jährige beinahe jede Stufe selbst erarbeitet. Die schwierigste fehlt noch: Der dauerhafte Sprung auf die ATP-Tour.
