Gegen Jordanien erzielte Lautaro Martínez im dritten Gruppenspiel endlich sein erstes Tor bei einer Weltmeisterschaft. Ein Elfmeter, in einer Partie ohne Bedeutung. Zu Beginn des Turniers war der Stürmer Stammspieler bei der Albiceleste , verlor seinen Platz aber ab dem Achtelfinale. Jegliche Ähnlichkeit mit seiner WM 2022 ist alles andere als zufällig.
In Katar begann "El Toro" das Turnier als Stammspieler. Doch nach der Auftaktniederlage gegen Saudi-Arabien (2:1) durfte er nur noch ein weiteres Mal in der Startelf ran. Trotz des Sieges gegen Mexiko (2:0) musste der Inter-Stürmer auf die Bank und machte Platz für Julian Álvarez.
Zum Match-Center: England vs. Argentinien
Als Joker am stärksten
Lautaro ist in der Serie A eine feste Größe, doch in der Nationalmannschaft klappt es bei Weltmeisterschaften einfach nicht. In diesem Jahr hielt er sich vier Spiele in der Startelf, bevor ihm die "Araña" erneut den Rang ablief. Und obwohl Alvarez mit seiner körperlichen Verfassung Sorgen bereitete, hat sein Traumschlenzer in den Winkel gegen Gregor Kobel in der 112. Minute seine bis dahin schwache Bilanz deutlich aufpoliert.
Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Limonade daraus. Nach seiner Einwechslung in der 85. Minute erzielte Lautaro das dritte argentinische Tor ganz am Ende der Verlängerung – doch das dürfte kaum reichen, um seinen Platz in der Startelf zurückzuerobern, denn Alvarez bringt mit seinem mannschaftsdienlichen Spielstil und seiner enormen Laufbereitschaft mehr ein in ein Team, das immer wieder für Lionel Messi kompensieren muss. Dennoch zeigt sich: Wenn beide gemeinsam auf dem Platz stehen, kann Argentinien Siege erzwingen.
Kaum ins Spiel eingebunden
Um weiter eine wichtige Rolle zu spielen, muss der ehemalige Torjäger von Racing bei seinen Einsätzen von der Bank viel Wirkung zeigen. Gegen Ägypten – während Diego Simeone auf der Tribüne ihn aufforderte, den Ball zu halten, um in die Verlängerung zu kommen – servierte Lautaro Enzo Fernández einen perfekte Flanke, die Fernandez zum 3:2-Siegtreffer veredelte und leitete so eine kaum noch für möglich gehaltene Aufholjagd ein, nachdem die Albiceleste bereits 0:2 zurücklag.
In der Gruppenphase fiel Lautaros Bilanz im Strafraum mager aus: 4 Ballkontakte, 5 wenn man den Elfmeter mitzählt. Gegen Kap Verde waren es gerade einmal zwei. Sechs Ballkontakte in 243 Minuten sind wenig. Deshalb entschied Lionel Scaloni , dass es besser ist, nicht weiter daran festzuhalten. Als Joker zeigte sich der Stürmer mit neun Ballkontakten in insgesamt 59 Minuten deutlich auffälliger.
Vieles spricht für Alvarez
Während Álvarez gegen Jordanien nur drei Ballkontakte im Strafraum hatte, waren es im Achtelfinale gegen Kap Verde in 57 Minuten immerhin sieben... bevor er wieder zum Normalmaß zurückkehrte (zwei gegen Ägypten, einer gegen die Schweiz).
Auch wenn Scaloni einen dynamischeren Spieler für die Defensivarbeit sucht, bleibt das eigentliche Problem – unabhängig von Lautaro Martinez – die fehlende kollektive Offensiv-Performance. Trotz wirklich ansprechender Phasen gegen Algerien und Österreich fehlt der Albiceleste die Konstanz. Das ist kein neues Phänomen: Schon 2022 gab es viele Durchhänger – gegen Australien im Achtelfinale (2:1), gegen die Niederlande im Viertelfinale (2:2, 4:3 i.E.) und natürlich gegen Frankreich im Finale (3:3, 4:2 i.E.).
Nachdem Argentinien in jeder K.o.-Runde beinahe ausgeschieden wäre, scheint die Hürde gegen England sehr hoch, um über die volle Distanz gegen einen zwar verwundbaren, aber insgesamt kompletteren und weniger von einem Einzelspieler abhängigen Gegner zu bestehen. Es ist also das perfekte Spiel, damit Lautaro und Álvarez die größten Pessimisten eines Besseren belehren können.
