"Thomas Tuchel warf eine Handgranate in die Runde. Jude Bellingham hob sie auf und warf sie zurück", schreibt The Guardian über die neue Episode in der Hassliebe zwischen den beiden Alphatieren und forderte: "Die Angelegenheit muss geklärt werden". Eitelkeiten und Animositäten sollen die Chance auf den Titel 60 Jahre nach dem Triumph von Wembley bloß nicht gefährden.
Doch das dürfte bei der Vorgeschichte gar nicht so einfach werden, schließlich gilt das Verhältnis zwischen Tuchel und Bellingham seit Monaten als angespannt. Der WM-Frieden wurde nun gestört, als Tuchel die Leistung der "Three Lions" im Viertelfinale gegen Norwegen (2:1) unter anderem als "nachlässig" bezeichnete.
Bellingham, der sein Team mit einem Doppelpack ins Halbfinale führte, war not amused. Und konterte die Trainer-Kritik mit einer durchaus pikanten Anspielung auf Tuchels wenig glorreiche Spielerkarriere: "Vielleicht weiß er nicht, wie es ist, in diesen Bedingungen gegen Erling Haaland, Martin Ödegaard, Antonio Nusa oder Alexander Sörloth zu spielen".
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Der Beziehungsstatus zwischen Tuchel und Bellingham? Schwierig. Vor einem Jahr sagte der Deutsche, das Verhalten des Mittelfeldstars von Real Madrid auf dem Platz sei mitunter "repulsive", also widerlich oder abscheulich. Tuchel entschuldigte sich umgehend für seine Wortwahl, aber viele Beobachter gehen davon aus, dass ihm Bellingham nie wirklich verzeihen konnte.
Kane als Vermittler zwischen Tuchel und Bellingham
Zumal der 23-Jährige im vergangenen Herbst zeitweise aus dem Kader gestrichen wurde, Tuchel begründete seine Maßnahme unter anderem mit der Dynamik und der Hierarchie im Team. Im November wechselte Tuchel Bellingham gegen Albanien aus - und der reagierte, nun ja, nicht besonders happy. Vor der WM kitzelte Tuchel Bellingham dann mit seinen öffentlichen Zweifeln, ob es der ehemalige Dortmunder in die Startelf schaffen würde.
Doch nun ist Bellingham bei der Jagd nach dem Titel neben Kapitän Harry Kane der überragende Mann bei den Engländern. Wie Kane kommt "Judinho" auf sechs Treffer, er rennt wie Pferd, kämpft, treibt das Spiel an, hilft überall aus. Wie Tuchel ist Bellingham vom Ehrgeiz getrieben, gegen Messi und für den Titel brauchen sie sich gegenseitig. Das weiß auch Kane, der sich in der Rolle des Vermittlers sieht, damit aus dem Streifen "Tuchel vs. Bellingham reloaded" kein Horrorfilm wird.
Kane zeigte Verständnis sowohl für Tuchel als auch für Bellingham und es sei doch super, "dass wir im Halbfinale stehen und dennoch das Gefühl haben, uns noch verbessern zu können". Die Handgranate soll bitteschön nicht jetzt, so kurz vor dem Ziel, explodieren.
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