Das dunkelste Kapitel seiner Karriere schlägt Loris Karius eigentlich nicht mehr auf. "Es wäre ja schlimm, wenn ich mir heute darüber noch den Kopf zerbreche", sagte der Torhüter über jenen verhängnisvollen Abend, der ihm 2018 "komplett das Genick gebrochen" hatte. Doch acht Jahre später muss er sich seinen Dämonen stellen.
"Lust am Fußball verloren"
Immer wieder werde er angesprochen, verriet Karius, auf dieses Champions-League-Finale gegen Real Madrid, in dem er als Torhüter des FC Liverpool so folgenschwer patzte. Und natürlich werden die Bilder der Nacht von Kiew wieder hervorgekramt, wenn Karius die Madrilenen am Sonntag (17.00 Uhr/DAZN) mit Schalke 04 zur Bundesliga-Generalprobe empfängt.
Zwei Treffer bescherte der Keeper den Königlichen damals unfreiwillig, angeknockt durch einen Ellbogenschlag von Sergio Ramos, der mit seinen Fehlern "auf jeden Fall etwas zu tun gehabt" habe. Es folgte eine Zäsur. Er habe "ein bisschen die Lust am Fußball verloren. Ich habe mich gequält und konnte oft meine Leistung nicht abrufen", sagte der 33-Jährige im Podcast "TOMorrow".
Noch auf dem Rasen hatte er unter Tränen um Verzeihung gebeten, das Ausmaß des Unheils sei da aber noch längst nicht absehbar gewesen. Bei Liverpool habe er keine faire Chance mehr erhalten, sogar das Privatleben war betroffen. Karius erhielt Morddrohungen. "Ich hatte damals ein paar Tage lang Polizeischutz vor dem Haus", sagte er nun.
Rehabitilation im "zweiten Zuhause"
Nach mehreren Vereinswechseln stand Karius 2024 schließlich ohne Klub da. Zwar hätten ihm die Freiheiten samt Mailänder Modeshows Spaß gemacht, im "Hinterkopf" arbeitete es aber: "Dass ich es noch mal allen beweisen will." Seine Chance erhielt der Abgeschriebene Anfang 2025 beim abgestürzten Traditionsverein Schalke, der zu der Zeit gegen den Abstieg in die 3. Liga kämpfte. Als Torhüter mit den meisten Zu-Null-Spielen wurde er in der vergangene Saison dann zum Aufstiegshelden.
Als Lohn wartet das Comeback in der Bundesliga, die Euphorie auf Schalke könnte vor der Partie gegen Real größer kaum sein. Das bis dato letzte Heimduell mit Real liegt schließlich über elf Jahre zurück. Torschütze Cristiano Ronaldo ebnete Madrid im Achtelfinalhinspiel der Königsklasse den Weg zum Weiterkommen.
Die Arena in Gelsenkirchen sei inzwischen wieder eine Festung, findet Karius. Sein Tiefpunkt in Liverpool, den sein damaliger Trainer Jürgen Klopp nicht einmal seinen schlimmsten Feinden gewünscht hätte, habe er mittlerweile "total abgeschlossen", die Mission in seinem "zweiten Zuhause" auf Schalke allerdings noch nicht. Karius' Vertrag wurde zur neuen Saison vorzeitig bis 2028 verlängert.
