"Zeit gekommen": Augsburg-Flop Pepi als US-amerikanischer Hoffnungsträger?

Ricardo Pepi könnte für die USA gegen Belgien beginnen.
Ricardo Pepi könnte für die USA gegen Belgien beginnen.IMAGN IMAGES via Reuters/David Gonzales

Im Baseball-Stadion von Seattle machte Mauricio Pochettino schon mal eine gute Figur. Mit traumwandlerischer Sicherheit warf der Trainer des US-Nationalteams vor der Partie der ortsansässigen Mariners gegen die Toronto Blue Jays den zeremoniellen "First Pitch" - seine Spieler auf dem Feld, die Fans auf den Rängen: Alle jubelten dem Argentinier zu. Wohl auch in der Hoffnung, dass Pochettino am Montag, im anderen Stadion nur wenige Meter weiter nördlich, ein ähnlich zuverlässiges Händchen beweist.

Denn als wäre die Aufgabe im WM-Achtelfinale gegen ein wiedererstarktes Belgien (Dienstag, 2.00 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV) nicht schon herausfordernd, als wären die Erwartungen in einem plötzlich fußballverrückten Land nicht schon groß genug, müssen die USA nun auch noch auf ihren bislang wichtigsten Spieler verzichten. Stürmer Folarin Balogun, dreifacher Torschütze, Antreiber und Kreativposten, fehlt rotgesperrt. Es ist an Pochettino, einen Ersatz zu finden.

Zum Match-Center: USA vs. Belgien

Der offensichtlichste? Ricardo Pepi, 23 Jahre alt, Spitzname "El Tren", der Zug, geboren in El Paso an der amerikanisch-mexikanischen Grenze - und in Deutschland vor allem bekannt als Rekord-Flop des FC Augsburg.

Pochettino über Pepi: Ein "Killer"

Ein kurzer Rückblick: Als 18-Jähriger wechselte Pepi Anfang 2022 vom FC Dallas in die Bundesliga, 16 Millionen war er dem FCA damals wert - noch immer Vereinsrekord. Nach einem halben Jahr und null Torbeteiligungen in 16 Spielen war Pepi wieder weg. In Erinnerung blieb vor allem: Ein so absurdes wie offensichtlich falsches Zitat, wonach FCA-Trainer Markus Weinzierl ihn unter der Dusche angepinkelt habe. Weil das "dazu gehöre".

In den USA haben sie davon entweder nie gehört, oder es längst vergessen. Auch weil Pepi mittlerweile sein Potenzial ausschöpft: In der vergangenen Saison kam er für die PSV Eindhoven auf starke 19 Tore in 34 Einsätzen. Pepi, betonte Pochettino zuletzt, sei ein "Killer", sowie "der Stürmer mit dem besten Torinstinkt in der US-Nationalmannschaft". Er habe "eine unglaubliche Fähigkeit, Chancen zu kreieren und Tore zu schießen".

Und ist damit die logische Wahl fürs Sturmzentrum? Nun ja, zur Wahrheit gehört auch, dass Pepi ein anderer Spieler als Balogun ist, eher der Typ Strafraumstürmer. Balogun dagegen besticht vor allem mit seinem Tempo und seiner Physis, mit Läufen hinter die letzte Kette des Gegners. Haji Wright, ebenfalls eine Option, käme da schon eher ran. Doch vieles spricht für Pepi - auch, weil er bislang in allen vier WM-Spielen zum Einsatz kam. Pochettino zählt offensichtlich auf ihn.

Er selbst wolle "einfach, dass die Menschen mein Spiel genießen und spüren, dass ich mich diesem Team und diesem Land verpflichtet fühle", sagte Pepi. Er sei ein "ganz anderer Spieler" als der vor vier Jahren. Jener, der in Augsburg scheiterte und kurz vor der WM 2022 aus dem US-Kader gestrichen wurde. Schon damals hätte Pepi es "verdient gehabt", dabei zu sein, sagte Kapitän Christian Pulisic zuletzt. Nun aber sei seine "Zeit gekommen".