Die Nationalmannschaften der Welt werden bei der WM 2026 so international geprägt sein wie nie zuvor. Von den insgesamt 1.248 nominierten Spielern wurden 289 außerhalb des Landes geboren, für das sie bei der Weltmeisterschaft auflaufen. Damit vertritt nahezu jeder vierte WM-Teilnehmer eine andere Nation als sein Geburtsland.
Deutschland gehört dabei zu den Ausnahmen. Anders als viele Konkurrenten reist die DFB-Auswahl mit einem Kader an, der fast ausschließlich aus in Deutschland geborenen Spielern besteht. Lediglich ein Akteur wurde im Ausland geboren: Innenverteidiger Waldemar Anton von Borussia Dortmund.
Anton ist Deutschlands einziger im Ausland geborener WM-Fahrer
Anton kam in Usbekistan als Sohn russlanddeutscher Eltern zur Welt. Im Alter von zwei Jahren siedelte die Familie im Rahmen der Aussiedlerprogramme nach Deutschland über. Zu Beginn seiner Kindergartenzeit sprach er noch kein Deutsch, später legte er sein Abitur mit Bestnoten in Mathematik und Biologie ab.
Damit unterscheidet sich die deutsche Mannschaft deutlich von vielen früheren Turnieren. Zwar prägten in den vergangenen Jahren zahlreiche Nationalspieler mit familiären Wurzeln in anderen Ländern das DFB-Team, geboren wurden die meisten von ihnen jedoch bereits in Deutschland.
Internationale Lebensläufe prägen die WM
Zu den bekanntesten Spielern des Turniers, die nicht im Land ihrer Nationalmannschaft geboren wurden, gehört Erling Haaland. Der norwegische Torjäger wurde im englischen Leeds geboren, wo sein Vater Alf-Inge Haaland damals als Profi spielte.
Noch komplexer ist die Geschichte von Bayern-Star Michael Olise. Der Offensivspieler wurde in England geboren und hätte zwischen mehreren Nationalteams wählen können. Neben England kamen auch Frankreich, Algerien – die Heimat seiner Mutter – sowie Nigeria, das Herkunftsland seines Vaters, infrage.
Bosnien setzt auf ein Talent aus Österreich
Wie dynamisch die Nationalitätenfrage im modernen Fußball geworden ist, zeigt auch der Fall von Ermin Mahmić. Der Mittelfeldspieler von Slovan Liberec wurde im österreichischen Wels geboren und spielte bislang für die österreichische U21-Nationalmannschaft.
Kurz vor der WM entschied sich der 21-Jährige jedoch für Bosnien und Herzegowina, das Heimatland seiner Eltern. Die Entscheidung fiel rechtzeitig, um noch in den WM-Kader aufgenommen zu werden. In Bosnien gilt Mahmić als eines der größten Talente der kommenden Jahre.
Von Hannover nach Bagdad, von Paris nach Port-au-Prince
Auch Merchas Doski wird bei der WM für ein anderes Land antreten als jenes, in dem er geboren wurde. Der Verteidiger von Viktoria Pilsen kam in Hannover zur Welt, seine Eltern sind irakische Kurden. Nachdem die Familie in den 1990er-Jahren nach Deutschland ausgewandert war, entschied sich Doski später für die Nationalmannschaft des Irak, für die er inzwischen mehr als 20 Länderspiele absolviert hat.
Eine ähnlich internationale Geschichte bringt Dominique Simon mit. Der Mittelfeldspieler von Pardubice wurde in Frankreich geboren, seine Eltern stammen aus Haiti. Obwohl er die renommierte Nachwuchsakademie von Paris Saint-Germain durchlief, erhielt er seine Chance auf internationaler Bühne erst durch den Karibikstaat. Für Haiti ist die Teilnahme historisch: Erstmals seit 52 Jahren kehrt die Nationalmannschaft auf die WM-Bühne zurück.
Curaçao setzt fast komplett auf Spieler aus den Niederlanden
Besonders deutlich zeigt sich der Trend bei kleineren Fußballnationen. Curaçao reist mit einem Kader an, in dem 25 der 26 Spieler in den Niederlanden geboren wurden.
Zu den bekanntesten Namen zählt Tahith Chong. Der frühere niederländische Juniorennationalspieler besitzt chinesische Vorfahren und trägt den vollständigen Namen Tahith Jose Girigorio Djorkaef Chong. Seine Eltern ließen sich bei der Namensgebung vom französischen Weltmeister Youri Djorkaeff inspirieren. Chong spielte für Feyenoord Rotterdam und durchlief die niederländischen Nachwuchsauswahlen bis zur U21, bevor er sich für Curaçao entschied.
Globale WM spiegelt die Entwicklung des modernen Fußballs wider
Die Erweiterung des Teilnehmerfeldes hat die Zahl der Spieler mit internationalem Hintergrund weiter steigen lassen. Viele Nationalmannschaften profitieren von Auswanderungsgeschichten, doppelten Staatsbürgerschaften und familiären Verbindungen über Kontinente hinweg.
Die WM 2026 wird deshalb nicht nur ein sportlicher Wettbewerb der Nationen sein, sondern auch ein Spiegel der globalisierten Fußballwelt. Für Fans bedeutet das: Wer die Herkunft aller Stars nachvollziehen möchte, braucht manchmal fast ebenso gute Geografiekenntnisse wie Fußballwissen.
