Es läuft die 116. Minute im Finale gegen die Niederlande am 11. Juli 2010. Ort des Geschehens: das Soccer City Stadium in Johannesburg. Andrés Iniesta zieht ab, trifft – und schießt Spanien in den Fußballhimmel. Dieser emotionale Höhepunkt und die anschließenden Jubelstürme prägten eine ganze Generation von Kindern. Heute stehen genau diese Jungs selbst auf dem Platz, um ihren Idolen nachzueifern und den zweiten Stern nach Hause zu holen.
Unter den 26 Spielern, die von Luis de la Fuente für das Halbfinale gegen Frankreich (Dienstag 21 Uhr/ZDF, MagentaTV und Flashscore-Audioreportage) nominiert wurden, liegen Welten: Der Jüngste, Lamine Yamal (der am Montag 19 wird), war 2010 gerade einmal drei Jahre alt. Der Erfahrenste im Bunde ist Mittelstürmer Borja Iglesias mit 33 Jahren. So unterschiedlich ihr Alter damals war, so ähnlich magisch sind ihre Erinnerungen.
Rodri: Titelträume im Nirgendwo der USA
Der Ballon-d’Or-Gewinner von 2024 ließ diese emotionale Zeit kürzlich in einem FIFA-Interview Revue passieren: "Ich war 14 und in einem Sommercamp im US-Bundesstaat Connecticut, um Englisch zu lernen. Das Camp lag mitten im Wald – es gab kein Netz, kein Internet, absolut gar nichts."
"Die Ergebnisse Spaniens erfuhr ich nur häppchenweise über die Betreuer. Als wir das Finale erreichten, habe ich sie inständig angefleht: ‚Bitte, findet einen Weg, wie ich dieses Spiel sehen kann!‘ Und tatsächlich: Mitten in der Wildnis flimmerte plötzlich das Finale über den Bildschirm. Als Iniesta das Tor schoss, bin ich völlig losgelöst und allein losgerannt", so Rodri. "Die Amerikaner um mich herum verstanden überhaupt nicht, warum ich so ausrastete, während ich einfach nur ‚Tor!‘ in den Wald geschrien habe."
Grimaldo und Porro: Sommernächte voller Magie
Alejandro Grimaldo, damals ebenfalls 14 Jahre alt, erinnert sich an die Euphorie in der Heimat: "Es herrschte eine unglaubliche Begeisterung, die das ganze Land erfasst hatte. Ich war im Ferienhaus meiner Eltern, zusammen mit Freunden und der Familie. Wir haben alle mitgefiebert. Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen: Nach dem Abpfiff gab es im Dorf eine riesige Party. Das war ein ganz besonderer Moment", erzählte der Linksverteidiger Anfang Juni der AFP.
Ein ganz ähnliches Bild hat Pedro Porro vor Augen, der 2010 zehn Jahre alt war: "Ich war auf dem Dorfplatz, wir haben gefeiert, gebadet... Diese Weltmeisterschaft und Iniestas Tor waren einfach spektakulär. Vor allem, weil dieser Triumph das ganze Land vereint hat. Es wäre großartig, dieses Gefühl jetzt zu wiederholen."
Zum Match-Center: Frankreich vs. Spanien
David Raya und das Erbe von Iker Casillas
Arsenal-Keeper David Raya war mit 15 Jahren alt genug, um ganz genau hinzuschauen – vor allem auf den damaligen Kapitän der Roja. "Als Kind habe ich Iker Casillas bewundert. Er war mein absolutes Vorbild – wegen allem, was er der Nationalmannschaft und Real Madrid schon in so jungen Jahren gegeben hat", so Raya, der schon damals davon träumte, in dessen Fußstapfen zu treten.
"Wenn man an 2010 zurückdenkt, sieht man sich als 15-Jähriger vor dem Fernseher und träumt davon, selbst diesen Pokal in den Händen zu halten. Heute haben wir die reale Chance, diesen zweiten Stern zu holen", betonte er selbstbewusst auf einer Pressekonferenz im Trainingslager in Chattanooga (Tennessee).
Borja Iglesias: Vom Fan zum Hauptdarsteller
Angreifer Borja Iglesias war beim Siegtor von Iniesta bereits 17 Jahre alt und erlebte den Moment intensiver als die meisten seiner heutigen Kollegen. Diesen Traum von damals hat er nie verloren: "Ich habe mir diesen Moment nicht nur für mich selbst ausgemalt, sondern auch für viele meiner Mitspieler. Ich würde das unglaublich gerne selbst auf dem Platz erleben. Genau deshalb sind wir hier, und ich hoffe von ganzem Herzen, dass dieser Traum wahr wird", verriet er im WM-Quartier mit einem glänzenden Blick in den Augen.
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