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Titel-Flut und Ungeschlagen-Rekord: Wer kann Spanien noch aufhalten?

Spanien und Gold um den Hals – Ein Anblick, an den man sich gewöhnt hat
Spanien und Gold um den Hals – Ein Anblick, an den man sich gewöhnt hatTitel-Flut: Wer kann Spanien noch aufhalten?

Ihren rot-gelb-roten Partymarathon starteten Lamine Yamal und seine spanischen WM-Überflieger mit Frank Sinatra. Die Abbauten der gigantischen Final-Show in der riesigen Betonschüssel von East Rutherford hatten längst begonnen, da tollten die frisch gekürten Weltmeister noch immer mit ihren Familien durch die goldenen Konfettischnipsel über den Rasen. Aus den Boxen dröhnte dazu der alte Sinatra-Klassiker "New York, New York".

"Jetzt ist es Zeit zu feiern", gab Verteidiger Marc Cucurella die Marschroute aus. Und während in Manhattan sogar das Empire State Building zu Ehren der neuen Fußball-Könige in den spanischen Landesfarben erstrahlte, rüsteten sie sich in der Heimat schon für die ganz große Weltmeister-Sause. Über eine Million Menschen wurden am Montagnachmittag im Zentrum von Madrid erwartet, um Yamal und Co. nach dem zweiten spanischen WM-Titel nach 2010 zu empfangen.

Zum Match-Center: Spanien vs. Argentinien

"Die Könige aller Zeiten!", titelte die Sporttageszeitung Marca am Montag. Die L'Équipe adelte Spaniens Mannschaft als "das herausragende Team des 21. Jahrhunderts". Und USA Today sieht gar "eine neue Dynastie" auf den Weltfußball zukommen.

"Wir haben noch viel zu gewinnen"

Tatsächlich könnte Spaniens aktuelle Ansammlung begnadeter Kicker eine Ära prägen. Leistungsträger wie Yamal oder der bislang vielen unbekannte Verteidiger Pau Cubarsi sind gerade einmal 19 Jahre alt. Selbst der überragende Spielmacher Rodri wird mit seinen 30 Jahren wohl noch locker bis zur Heim-WM 2030 spielen können.

"Ich bin sehr stolz auf diese Generation von Fußballern", sagte Luis de la Fuente. Spaniens Trainer wirkte gelöst, doch selbst im Moment des größtmöglichen Erfolgs blieb er sich treu. "Nach dem Spiel fragten mich einige Spieler, was wir noch gewinnen könnten", berichtete der 65-Jährige mit einem Lächeln, "und ich sagte ihnen: das Spiel im September. Wir haben noch viel zu gewinnen."

Man könnte über solch eine Aussage schmunzeln, doch in den Ohren der Konkurrenten dürften sie wie eine Drohung klingen. Anführer Rodri und seine Mitspieler treten ähnlich dominant auf wie die legendäre Mannschaft um Spielmacher Xavi vor 16 Jahren, sie wirken enorm zielstrebig und dabei immer kontrolliert.

Mit enormer Ballsicherheit und einem Tiki-Taka 2.0, wie es das spanische Original von 2010 nicht besser spielte, ließ La Roja ihren Gegnern reihenweise keine Chance. Selbst die teilweise überharte Gangart der Argentinier konnte den Iberern am Sonntag nichts anhaben.

Spanien funktioniert in der Breite

Wie überlegen Spaniens nach außen so bescheidene Auswahl momentan ist, belegt der Blick auf die Auszeichnungen für einzelne Spieler. So gingen die Preise für den besten Spieler (Rodri), den besten Torhüter (Unai Simón), der in acht Turnierspielen lediglich ein (!) Gegentor kassierte, und für den besten jungen Spieler (Cubarsi) allesamt an Akteure des neuen Weltmeisters. Die Iberer wirken wie eine Schlange mit 26 Köpfen, selbst wenn man glaubt, man hätte den einen unter Kontrolle, kommt der nächste zum Vorschein.

So schlüpften am Sonntag nicht etwa Jungstar Yamal, Torjäger Mikel Oyarzabal oder Edeljoker Mikel Merino in die Heldenrolle. Nein, es war Ferran Torres, der vor den Toren New Yorks seinen Mario-Götze-Moment erlebte. Wie seinerzeit der Deutsche im WM-Finale von Rio spielte der spanische Angreifer in den Spielen zuvor bestenfalls eine Nebenrolle, ehe er in der Verlängerung zum gefeierten Siegtorschützen wurde.

"Ich denke, wir haben unglaublichen Fußball gespielt und diesen Pokal verdient", sagte Cucurella. Das klingt bescheiden, wenn man bedenkt, dass sich die Spanier in einem vollkommen einseitigen Finale für ein nahezu perfektes Turnier belohnten. Argentinien brachte am Sonntag im gesamten Spiel keinen einzigen Ball aufs spanische Tor.

Das Double aus EM- und WM-Titel hat die Mannschaft von de la Fuente nun gewonnen, sie hat eine Serie von 38 Spielen nicht mehr verloren – ein Weltrekord – und doch wirkt sie noch lange nicht satt. "Halleluja", rief Nico Williams durch die Katakomben des MetLife Stadiums in East Rutherford. Dem ist nichts hinzufügen.