Sensation verpasst, Herzen gewonnen: Kap Verde verabschiedet sich voller Stolz

Kap Verde ist nach großem Kampf im WM-Sechzehntelfinale gegen Argentinien ausgeschieden.
Kap Verde ist nach großem Kampf im WM-Sechzehntelfinale gegen Argentinien ausgeschieden.REUTERS/Amanda Perobelli

Eine Umarmung von Lionel Messi, Worte voller Anerkennung - und schon mischte sich zu diesem tiefen Schmerzgefühl bei Kap Verdes Torhüter und WM-Held Vozinha eine riesige Portion Stolz. "Momente wie diese bleiben für immer in unseren Herzen eingraviert", sagte der 40-Jährige nach seiner Begegnung mit dem Weltstar nach einer denkwürdigen Partie in Miami. "Er hat gesagt: Du bist großartig, deine Leute sollten stolz auf dich sein", berichtete der Keeper, "das war unglaublich."

Schier unglaublich war auch das, was Vozinha und seine Kameraden zuvor über eine Spieldauer von über 120 Minuten auf dem WM-Rasen von Miami Gardens geleistet hatten. Gegen den vermeintlich übermächtigen Titelverteidiger lieferte der krasse Außenseiter und WM-Debütant Kap Verde im Sechzehntelfinale einen Auftritt für die Geschichtsbücher. Zweimal ging der haushohe Favorit in Führung, zweimal schlug der 64. der FIFA-Weltrangliste zurück. Erst ein Eigentor in der 111. Minute besiegelte die 2:3-Niederlage nach Verlängerung und das bittere Ausscheiden.

Zum Match-Center: Argentinien vs. Kap Verde

"Natürlich sind wir enttäuscht über das Ergebnis, weil wir in die nächste Runde einziehen wollten", sagte Vozinha. Und doch fühlte sich das Resultat ob des aufopferungsvollen Kampfes schon bald "wie ein Sieg" an, wie Nationaltrainer Pedro Leitao Brito betonte: "Das Volk von Kap Verde darf seinen Spielern dankbar sein."

Kap Verde setzt sich auf die Landkarte

Mit dem afrikanischen Inselstaat, rund 600.000 Einwohner, verliert die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada seine mit Abstand aufregendste Underdog-Geschichte. Schon die Gruppenphase hatte Kap Verde gegen Spanien, Uruguay und Saudi-Arabien ohne Niederlage überstanden, sich als Zweiter für das Sechzehntelfinale qualifiziert. Der Erfolg des Teams sei "die denkbar beste Rechtfertigung für eine Weltmeisterschaft mit 48 Mannschaften", schrieb der britische Independent.

Linksverteidiger Sidny, der mit seinem Traumtor gegen Argentinien in der 103. Minute den Giganten ganz nah an den Abgrund geführt hatte, kickte im vergangenen Jahr noch in Deutschland für Viktoria Köln. Und nun: WM statt 3. Liga. Messi statt Waldhof Mannheim. Das Gute sei, sagte Innenverteidiger Pico Lopes, "dass nun niemand mehr fragen muss wo Kap Verde ist. Sie wissen, dass wir auf der Karte sind. Sie wissen, was für eine Mannschaft wir sind." Eine Mannschaft, die - so klingt es - wiederkommen wird.