Dabei verlief das Turnier für ihn persönlich holprig. Geplagt von den Nachwirkungen einer Oberschenkelverletzung aus der Ligasaison konnte er offensiv nicht wie gewohnt glänzen. Nach einem Bankstart musste er beim zähen 0:0 gegen Kap Verde sogar früher als geplant ins kalte Wasser geworfen werden. Doch während der Glanz vorne fehlte, rackerte Yamal hinten unermüdlich. Er wirft sich auf dem Flügel leidenschaftlich in die Zweikämpfe – und das trotz des ständigen Risikos, bei Ballverlusten sofort umschalten zu müssen.
In einem extrem ballbesitzorientierten System wie dem der Spanier ist sofortiges Gegenpressing Pflicht, um Konter im Keim zu ersticken. Genau hier glänzt der Katalane: Insgesamt gewann er bärenstarke 36 von 66 Zweikämpfen (34 von 60 als Startelfspieler). Gegen Österreich verbuchte er starke 6 Balleroberungen und gewann 4 von 5 direkten Duellen. Insgesamt entschied er 6 von 7 Tacklings für sich und holte 21-mal das Leder zurück. Und das alles in gerade einmal viereinhalb Spielen (gegen Saudi-Arabien war bereits zur Pause Schluss). Das ist alles andere als die Bilanz eines "faulen" Spielers.
Der direkte Vergleich: Yamal lässt Frankreichs Stars alt aussehen
Vergleicht man Yamals Defensivwerte mit den ungesetzten französischen Offensivkräften Ousmane Dembélé, Michael Olise und Kylian Mbappé, wird der Klassenunterschied in der Rückwärtsbewegung deutlich: Während die drei Franzosen zusammen gerade einmal auf 7 Tacklings kommen, steht Yamal im Alleingang bei 6. Nur Olise bestritt mehr Duelle als Yamal (65 in 6 Startelf-Einsätzen vs. Yamals 66 in 4,5 Spielen), gewann mit 26 jedoch deutlich weniger als der Spanier. Auch in Sachen Balleroberungen übertrifft Yamal mit seinen 21 sowohl Dembélé (12) als auch Mbappé (13) mühelos. Nur Olise liegt mit 29 knapp vorn.
Wie wertvoll Yamals "unsichtbare Arbeit" wirklich ist, zeigt der direkte Vergleich mit gestandenen Defensivakteuren. Bei den Balleroberungen gehört er zu den absoluten Spitzenkräften der Selección: Gegen Portugal hatte nur Mittelfeld-Metronom Rodri (7) mehr Balleroberungen als Yamal (6). Gegen Belgien lag er mit 4 Balleroberungen gleichauf mit Pedro Porro und Pedri. Insgesamt lässt er spanische Kollegen wie Dani Olmo (9 Balleroberungen) oder Álex Baena (12) defensiv meilenweit hinter sich.
Selbst im Vergleich mit Frankreichs defensiver Schaltzentrale muss sich der Teenager nicht verstecken. Mit seinen 21 Balleroberungen liegt er gleichauf mit Manu Koné und sogar vor etablierten Kräften wie Adrien Rabiot und Aurélien Tchouaméni (jeweils 19). Bei den erfolgreichen Tacklings steht er mit einer Quote von 6 aus 7 ebenfalls extrem stark da – Koné kommt hier nur auf 4 von 7, Rabiot auf 3 von 3.
Taktische Disziplin statt Ego-Trip
Natürlich forderte die harte Konkurrenz ab dem Achtelfinale ihren Tribut: Yamal musste defensiv so viel arbeiten, dass ihm in der Offensive manchmal die nötige Frische für den finalen Pass oder den Abschluss fehlte. Dennoch zeigen die Daten eines dominierenden spanischen Teams ganz klar: Lamine Yamal setzt die taktischen Vorgaben nach Ballverlusten vorbildlich um. Die Behauptung, er würde nicht verteidigen, ist und bleibt ein Märchen – geboren aus Böswilligkeit oder schlichter Ignoranz.
Zum Match-Center: Frankreich vs. Spanien
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