Die Karriere des Flügelstürmers, der aktuell für Al-Qadsiah stürmt und die letzte Saison als Torschützenkönig in Saudi-Arabien abschloss, steht sinnbildlich für das neue Selbstbewusstsein der Nationalmannschaft. Nach vier Heimsiegen zum Auftakt will El Tri dem englischen Starensemble nun auf Augenhöhe begegnen. Dass Quiñones nie in Europa gespielt hat, sieht er nicht als Nachteil: "Auch wenn einige von uns nicht in Europa spielen, heißt das nicht, dass wir uns nicht voll reinhängen", betonte er nach dem 2:0-Sieg im Sechzehntelfinale gegen Ecuador, bei dem er ein Tor selbst erzielte und das andere vorbereitete.
Zum Match-Center: Mexiko vs. England
Sein Erfolg war alles andere als selbstverständlich. Obwohl Quiñones heute zu den absoluten Lieblingen der Fans gehört, musste er lange Zeit harte Kritik von mexikanischen Experten einstecken, die seine Loyalität infrage stellten. Doppelstaatsbürger im mexikanischen WM-Kader lassen sich an zwei Händen abzählen – und vor Quiñones konnte sich lediglich der gebürtige Brasilianer Antonio Naelson alias "Sinha" im Jahr 2006 mit einem WM-Tor verewigen.
"Ich mochte dich nicht, aber vergib mir", so brachte es TV-Kommentator Cristian Martinoli nach Quiñones' Tor gegen Südafrika auf den Punkt. Quiñones musste sich seinen Platz in den Herzen der Mexikaner hart erkämpfen. Geboren 1997 im abgelegenen Dorf Magüi Payan im kolumbianischen Amazonasgebiet, wechselte er 2015 in die Jugend des mexikanischen Klubs Tigres UANL. Weniger als zehn Jahre später hatte er bereits sechs mexikanische Meistertitel auf dem Konto – ein historischer Rekord für einen im Ausland geborenen Profi.
Als er 2023 die mexikanische Staatsbürgerschaft erhielt, schlug er sogar eine Nominierung für sein Geburtsland Kolumbien aus, um für Mexiko aufzulaufen. Dennoch blieb die Skepsis groß. Der ehemalige chilenische Profi und heutige TV-Experte Fabián Estay bezeichnete ihn anfangs als "Gelegenheitsspieler", der es in Kolumbien einfach nicht geschafft hätte. Doch spätestens nach seinem Treffer gegen Südafrika wendete sich das Blatt: Der bekannte mexikanische Kommentator Cristian Martinoli leistete sogar öffentlich Abbitte.
FIFA WM 2026
Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird vom 11. Juni und 19. Juli ausgetragen. Bei Flashscore findest du alle Infos zur Endrunde in in den USA, Kanada und Mexiko.
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"Ob wir eingebürgert sind oder in Mexiko geboren wurden – wir wollen alle dasselbe: dass diese Nationalmannschaft Erfolg hat", stellte Quiñones bereits 2024 klar. Bei dieser WM ist er zudem nicht allein: Auch der gebürtige Spanier Alvaro Fidalgo steht im Kader und traf bereits beim 3:0 gegen die Tschechische Republik.
In der Vergangenheit war der Druck auf eingebürgerte Spieler oft immens. Vor der WM 2022 in Katar räumte der gebürtige Argentinier Rogelio Funes Mori ein, dass er wegen seiner Herkunft "immer kritisiert werden würde". Noch deutlicher wurde Guillermo Franco, der für Mexiko bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 spielte: "Der Patriotismus oder Nationalismus im mexikanischen Fußball ist absurd." Franco wurde damals von den Fans heftig angefeindet, weil er dem aufstrebenden Idol Javier "Chicharito" Hernández den Platz streitig machte.
Rückendeckung vom Trainer – und bessere Quoten als CR7
Dem aktuellen Nationaltrainer Javier Aguirre sind diese Debatten ohnehin fremd. Er selbst trägt den Spitznamen "El Vasco" ("der Baske"), da seine Eltern aus dem spanischen Baskenland nach Mexiko auswanderten. "Mein Vater hat die mexikanische Staatsbürgerschaft angenommen", erklärt Aguirre. "Ich kann mich doch nicht dagegenstellen, wenn Menschen in dieses Land kommen, um ihr Geld zu verdienen."
Dieses Vertrauen zahlt Quiñones auf dem Platz zurück. Unter Aguirre wirbelt er auf dem linken Flügel, flankiert von Raul Jimenez im Zentrum und Roberto Alvarado auf rechts. Auf dieser Position fühlt sich der Angreifer pudelwohl. Dass er weiß, wo das Tor steht, hat er längst bewiesen: Mit seinen 33 Saisontoren in Saudi-Arabien ließ er selbst Superstars wie Cristiano Ronaldo (28 Tore) und Karim Benzema (17 Tore) hinter sich.
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