In Mexiko ist die Begeisterung für die WM auf dem Höhepunkt und könnte England zum Verhängnis werden

Fans in Mexiko feiern die Leistungen ihres Teams bei der FIFA WM 2026.
Fans in Mexiko feiern die Leistungen ihres Teams bei der FIFA WM 2026.REUTERS/Luis Cortes

An diesem Sonntag bestreitet Mexiko sein WM-Achtelfinale gegen England. Es ist das letzte Mal in diesem Turnier, dass "El Tri" vor heimischem Publikum aufläuft. Die massive Unterstützung der Fans könnte im Kampf um das Weiterkommen den entscheidenden Unterschied machen. Denn Fußball ist in Mexiko weit mehr als nur eine Leidenschaft – er ist eine Religion. Wenn das Land dann auch noch eine Weltmeisterschaft ausrichtet, pulsiert die gesamte Nation im Takt der Spiele. Das gilt erst recht, nachdem sich die eigene Nationalmannschaft für die K.-o.-Runde qualifiziert hat.

Am Sonntag (in der Nacht zu Montag europäischer Zeit) trifft Mexiko im legendären Aztekenstadion auf England. Die Arena, die rund 87.000 Zuschauern Platz bietet, bebte bereits am Mittwoch beim 2:0-Sieg gegen Ecuador im Sechzehntelfinale regelrecht. Die Briten sind also gewarnt: Sie erwartet eine einzigartige, hochemotionale Atmosphäre, in der absolut alles gegen sie spricht.

Zum Match-Center: Mexiko vs. England

Im Rahmen dieser Weltmeisterschaft haben Mexiko und Kanada jeweils 13 Spiele ausgerichtet. Doch während die Kanadier nur die Gruppenphase im eigenen Land verbringen durften, genießt Mexiko den enormen Vorteil, alle bisherigen Partien vor den eigenen Fans absolviert zu haben.

Diese Heimstärke beflügelt das ganze Land. "Die Stimmung ist einfach unglaublich. Überall wird gefeiert, besonders in den Spielorten", berichtet Ana Cirilo, eine in Frankreich lebende mexikanische Journalistin. "Nach dem Sieg gegen Ecuador strömten über eine Million Menschen zum Ángel de la Independencia in Mexiko-Stadt. Es war der pure Wahnsinn. Die Fans kamen zehn bis zwölf Stunden vor dem Anpfiff in die Fanzonen und blieben ebenso lang danach, um mit jedem – auch mit ausländischen Gästen – zu singen. Es ist ein echtes Volksfest."

Schon das Erreichen des Sechzehntelfinals war für Mexiko ein Meilenstein. Nun, im Achtelfinale, droht die Begeisterung vollends überzukochen. Da es das letzte Heimspiel des Turniers ist, wollen die Menschen die Gelegenheit nutzen, um im Stadion oder auf den Straßen gemeinsam Geschichte zu schreiben.

Sollte der Coup gegen England gelingen, wäre das historisch: Die beiden einzigen Male, bei denen Mexiko so weit kam, war das Land ebenfalls Gastgeber (1970 und 1986). Zwar erreichte die Auswahl von 1994 bis 2018 siebenmal in Folge das Achtelfinale, schied dort aber jedes Mal aus – ein Trauma, das als "Fluch des fünften Spiels" (quinto partido) bekannt wurde. Durch das neue Turniersystem ist das fünfte Spiel jedoch längst absolviert. Steht den Mexikanern nun also alle Türen offen?

Ein Hexenkessel, der Gegner zermürben soll

Die bedingungslose Unterstützung der Fans wird das Spiel zweifellos beeinflussen. In einem Gastgeberland zu gewinnen, ist ohnehin eine der schwersten Aufgaben im Fußball, und der Druck wird für beide Teams enorm sein. "Der Einzug ins Achtelfinale gibt allen große Hoffnung. England ist zwar ein erfahrener Gegner und eine der größten Fußballnationen der Welt, aber das Heimrecht und diese außergewöhnliche Kulisse sind ein riesiger Vorteil", betont Ana Cirilo. "Jeder hier glaubt fest daran, dass wir den nächsten Schritt schaffen können. Das Team hat bislang jedes Spiel gewonnen und funktioniert als echte Einheit."

Auch Englands Starstürmer Harry Kane äußerte sich nach dem Einzug in die K.-o.-Runde ehrfürchtig über die schwere Aufgabe im Aztekenstadion. Doch trotz des Respekts vor der Kulisse ist für ihn klar: Die "Three Lions" müssen sich durchsetzen.

Die Herausforderung für die Engländer geht allerdings über das Sportliche hinaus. Vor wenigen Tagen berichtete der ecuadorianische Fußballverband, dass sich Hunderte mexikanische Fans mitten in der Nacht vor dem Spielerhotel versammelt hatten, um mit Trommeln, Hupen und Töpfen extremen Lärm zu machen. Ecuador meldete den Vorfall der FIFA und kritisierte die Aktion als unsportlich. Um ähnlichen Störaktionen zu entgehen, hat der englische Verband seine Sicherheitsvorkehrungen verschärft und hält den genauen Standort des Teamhotels streng geheim.

Und als wäre das nicht genug, wartet noch ein unsichtbarer Gegner: Das Aztekenstadion liegt auf über 2.200 Metern Höhe. Für Teams, die an diese dünne Luft nicht gewöhnt sind, wird das Spiel auch physisch zu einer extremen Belastungsprobe. England muss über sich hinauswachsen, um in diesem mexikanischen Hexenkessel zu bestehen.

Sollte es am Ende doch nicht reichen, wird die Party in Mexiko übrigens trotzdem weitergehen. Ana Cirilo meint schmunzelnd: "Selbst wenn das Team ausscheidet, feiert das Land weiter, weil es den Fußball einfach liebt. Dann werden die Menschen wahrscheinlich die anderen südamerikanischen Teams unterstützen – außer Argentinien."