Gegen Zweifler und "ITV-Fluch": Tuchel startet Englands Mission "zweiter Stern"

Thomas Tuchel will mit England den großen WM-Wurf schaffen.
Thomas Tuchel will mit England den großen WM-Wurf schaffen.IMAGN IMAGES via Reuters/Nathan Ray Seebeck

In Thomas Tuchels Matchplan spielt höhere Gewalt mutmaßlich keine Rolle, dabei schwebt ein böses Omen über Englands Auftakt bei der Fußball-WM. Der "ITV-Fluch", so fürchten Fans auf der Insel, droht den Three Lions den Start gegen Kroatien am Mittwoch (22.00 Uhr MESZ/ZDF und MagentaTV) zu vermiesen. Überträgt nämlich der TV-Sender ITV und nicht die BBC ein WM-Spiel, spielt England für gewöhnlich ausgesprochen mäßigen und erfolglosen Fußball.

Schrecken wird Tuchel die TV-Planung nicht. Gewohntes aufzubrechen und unkonventionelle Wege zu gehen, hat sich Englands deutscher Nationaltrainer schließlich zur Aufgabe gemacht. Seit dem 1. Januar 2025 ist der einst erfolgreiche Klub-Coach (unter anderem Bayern München, Paris Saint-Germain) im Amt, nun geht das Projekt "zweiter Stern" in die entscheidende Phase. 60 Jahre nach dem legendären Triumph von Wembley soll der WM-Pokal endlich wieder an England gehen. It's coming home?

Zum Match-Center: England vs. Kroatien

Die WM, sagte Tuchel, sei eine "außergewöhnliche Chance. Wir werden alles daran setzen, das Land stolz zu machen". Das Team um Starstürmer Harry Kane sei bereit: "Wir sind schon eine ganze Weile im Land. Die Spieler haben hart genug gearbeitet, wir sind in einer guten Verfassung."

Was hat Tuchel nach Southgate verbessert?

Das ist schon länger der Fall. England hat eine makellose Qualifikation gespielt, als erstes europäisches Team löste man das Ticket für die Endrunde ohne Gegentor (Torverhältnis: 22:0). Der Verband belohnte Tuchel dafür mit einem neuen Vertrag bis zur Heim-EM 2028. In der für gewöhnlich kritischen englischen Fußball-Öffentlichkeit herrschen dennoch Zweifel. Vor allem die Nicht-Nominierung von Cole Palmer und Phil Foden sorgte für Irritation.

Nicht wegen dieser Personalien, aber für diese klare Kante hatte die FA Tuchel jedoch als Nachfolgelösung von Gareth Southgate präsentiert. Der Engländer hatte das Team stabilisiert und zu einem WM-Halbfinale (2018) und zwei EM-Finals (2021, 2024) geführt. Die Basis wurde gelegt, der letzte Schritt wird aber Tuchel zugetraut.

Der Deutsche gilt im Vergleich zu Southgate als fordernder Trainer, als einer, der weniger Rücksicht auf Hierarchien nimmt und Spieler konsequenter nach aktueller Form bewertet. "Wir wissen, dass die Spieler voll hinter ihm stehen", sagte Mark Bullingham, der Geschäftsführer des englischen Fußballverbandes: "Der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe ist für jeden sichtbar."

Die zweifellos vorhandene Qualität soll im Kollektiv nachhaltig besser genutzt werden, auch zum WM-Auftakt gegen Kroatien. Die Fans auf der Insel würden dann auch etwas sorgenfreier auf das weitere TV-Programm schauen. Das letzte Gruppenspiel gegen Panama (27.6.) zeigt ebenfalls der Sender ITV.