Egal, wo Oliver Glasner gearbeitet hat: Der Erfolg begeleitete ihn. Den LASK führte er 2016/17 zum Aufstieg in die österreichische Bundesliga, es folgte die sofortige Qualifikation fürs europäische Geschäft.
Anschließend führte er den VfL Wolfsburg bis in die Champions League – einen Klub, der sich in den vergangenen Jahren ansonsten durch chaotische Zustände ausgezeichnet hat und der in dieser Saison trotz massiver wirtschaftlicher Vorteile sogar in die 2. Bundesliga abgestiegen ist.
Es folgte der sensationelle Triumph in der Europa League mit Eintracht Frankfurt. Bei Crystal Palace gelang es ihm anschließend, aus einem ewigen Abstiegskandidaten eine Mannschaft zu formen, die zunächst den FA Cup, dann die Community Shield und schließlich sogar die Conference League gewinnen konnte.

"Einer der besten Trainer, die Palace je hatte"
Und das, obwohl die Londoner regelmäßig ihre besten Spieler an die Konkurrenz verkauften – wie die Abgänge von Michael Olise (Bayern), Eberechi Eze (Arsenal) und Marc Guehi (ManCity) beweisen.
Nach dem 1:0-Sieg im Endspiel der Conference League gegen Rayo Vallecano würdigte ihn Mittelfeldspieler Adam Wharton mit einer Lobeshymne. Was Glasner "in zweieinhalb Jahren bewirkt hat, ist unglaublich. Drei Titel für Palace, die ersten drei in der Vereinsgeschichte. Die erste Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb und gleich der Sieg. Er muss einer der besten Trainer sein, die Palace je hatte. Er hat die Einstellung des Vereins grundlegend verändert."

Wohin zieht es Glasner?
Kein Wunder, dass Oliver Glasner regelmäßig von internationalen Spitzenklubs gejagt wird. Vor einigen Monaten war er noch als möglicher Nachfolger von Ruben Amorim bei Manchester United im Gespräch. Mittlerweile führen die heißesten Spuren aber zu AC Milan und Bayer Leverkusen.

Taktisch variabel
Doch was zeichnet den Österreicher in seiner täglichen Arbeit aus? Geprägt hat ihn insbesondere die Arbeit von Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund – das intensive Gegenpressing und die mannschaftliche Geschlossenheit haben ihn als jungen Coach stark beeindruckt. "Das einfachste System für Pressing ist das 4-4-2. Das ist für mich klar", so Glasner in einem Gespräch mit Sky Sports, "es geht darum, den gegnerischen Aufbau zu stören."
Dennoch: Glasner ist ein Pragmatiker, der stets versucht, die Stärken seiner Mannschaft zu betonen, anstatt ihr stur seine eigenen Prinzipien aufzudrücken: "Für mich ist das System nicht wirklich relevant. Es geht darum, wie deine Spieler sich verhalten sollen. Wie man den Strafraum attackieren möchte, wie man sich gegen den Ball organisieren soll."
Außergewöhnliche Statistik
Beeindruckend ist auch, dass es seinen Mannschaften regelmäßig gelingt, gefährliche Torchancen zu kreieren – auch ohne viel Ballbesitz. Im Finale der Conference League waren es gerade einmal 42 Prozent. Dennoch hatte Crystal Palace einen xG-Wert von 2,57 – Rayo Vallecano kam lediglich auf 0,53.
In der Premier League hatte Palace in dieser Saison laut Opta den achthöchsten xG-Wert aller Mannschaften – obwohl man nur auf Rang 14 liegt, was den Ballbesitz anbelangt. Auch deshalb ist es Glasner im Lauf seiner Trainerkarriere immer gelungen, außergewöhnliche Erfolge zu feiern.
Bereit für einen Spitzenverein
Klar ist: Oliver Glasner besitzt außergewöhnliche Fähigkeiten als Trainer. Sein taktischer Ansatz ist in Europa nahezu einzigartig, sein Umgang mit der Presse zeichnet sich durch hohe Souveränität aus – eigentlich fehlt ihm nichts mehr für den Sprung zu einem absoluten Spitzenverein.
Match-Center: Crystal Palace vs. Rayo Vallecano
