Die jüngste Bilanz spricht eine deutliche Sprache: Sechs der letzten sieben Aufeinandertreffen in allen Wettbewerben entschieden die Katalanen für sich. Gelingt Barça der nächste Coup, wächst der Vorsprung auf die Blancos bereits auf neun Zähler an.
Auch wenn ein solcher Rückstand zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison noch keine endgültige Vorentscheidung wäre: Barça könnte im Titelkampf, den sie in den vergangenen beiden Spielzeiten für sich entschieden haben, ein Ausrufezeichen setzen.
Den Königlichen fehlt nach seinem jüngsten Platzverweis der gesperrte Vinícius Júnior. Damit ruht die Hauptlast in der Offensive fast alleinig auf Kylian Mbappé.
Dass der Franzose mit diesem Druck umgehen kann, hat er oft genug bewiesen. In der LaLiga traf er bereits viermal gegen die Katalanen, wettbewerbsübergreifend sind es sogar fünf Treffer. Grundsätzlich präsentiert sich Mbappé gegen Barça regelmäßig in Torlaune.
Da Hansi Flick seine Abwehr gewohnt hoch stehen lassen wird, dürften sich für den blitzschnellen Angreifer reichlich Räume bieten – vorausgesetzt, die Hausherren agieren defensiv nicht lückenlos.
Yamal soll Barças Angriff mit vier Spitzen anführen
Auf der Gegenseite befindet sich Barcelonas Ausnahmetalent Lamine Yamal in Topform. Einen Tag nach dem Clásico wird in London der Ballon d’Or verliehen – eine Gala-Vorstellung des Youngsters käme da wie gerufen.
Zuletzt erlitt Barcelona jedoch einen kleinen Dämpfer: Unter der Woche kassierten sie in der Champions League gegen Paris Saint-Germain ihre erste Saisonniederlage. Real Madrid hingegen setzte sich souverän gegen RB Leipzig durch.
Yan Diomande trug sich dabei in die Torschützenliste ein. Gemeinsam mit Endrick und Jude Bellingham soll er Mbappé in der Offensive den Rücken freihalten.
Taktisch dürfte Barça das 4-2-3-1-System der Gäste spiegeln. Anthony Gordon würde bei seiner Clásico-Premiere zusammen mit Lamine Yamal, Raphinha und voraussichtlich Fermín López eine hochgefährliche Angriffsreihe bilden. Dani Olmo musste gegen PSG angeschlagen ausgewechselt werden.
Die Rolle von Rodri
Rodri, um den sich im Sommer auch Real bemüht hatte, bevor er sich für Barcelona entschied, soll das Zentrum der Hausherren stabilisieren. Seine Hauptaufgabe: Die Räume vor der Abwehr so dichtzumachen, dass die Blancos Keeper Joan Garcia nicht wie zuletzt PSG unter Dauerbeschuss nehmen können.
Der Ex-City-Star muss sein Bestes abrufen, um das bewegliche Mittelfeld der Königlichen zu bändigen. Dort soll allen voran Arda Güler glänzen – ebenfalls ein Spieler, den Barça einst gerne verpflichtet hätte.

Flicks größte Sorgenfalten betreffen weiterhin die Abwehr. Da Eric Garcia gemeinsam mit Andreas Christensen und Jules Koundé auf der Verletztenliste steht, ist die Personaldecke in der Defensive extrem dünn.
Zum Match-Center: FC Barcelona vs. Real Madrid
Einzig Koundé hat Chancen auf ein rechtzeitiges Comeback für den Super-Sonntag. Sollte er den letzten Fitnesstest nicht bestehen, schlägt wohl die Stunde von Nachwuchstalent Xavi Espart, der dann neben Pau Cubarsí, Gerard Martín und João Cancelo verteidigen müsste.
Kein Platz für Trent?
Flicks Philosophie lautet unverändert: Angriff ist die beste Verteidigung. Das könnte allerdings die Offensivläufe von Marc Cucurella und Federico Valverde über die Außenbahnen ausbremsen.
Eigentlich wäre diese Partie wie gemacht für Trent Alexander-Arnold. Doch der ehemalige Liverpooler steht bei José Mourinho aktuell nicht hoch im Kurs – ein Einsatz in der Startelf gilt als unwahrscheinlich.

Zwei Schlüsselduelle könnten das Match letztlich entscheiden: Zum einen das direkte Aufeinandertreffen zwischen Lamine Yamal und seinem spanischen Nationalmannschaftskollegen Cucurella. In der Vergangenheit behielt der Außenverteidiger hierbei oft die Oberhand.
Die Bedeutung von Cucurella und Pedri
Vor knapp einem Jahr neutralisierte Cucurella – damals noch im Trikot des FC Chelsea – den Flügelflitzer komplett, als die Blues in der Champions League mit 3:0 siegten. Gelingt ihm dieses Kunststück erneut, wäre Barças wirkungsvollste Waffe entschärft.
Auf der anderen Seite wird entscheidend sein, wie viel Spielraum Pedri bekommt. Der Regisseur wirkte gegen den PSG-Druck phasenweise lethargisch und leistete sich ungewohnte Ballverluste.

Real wird genau hier ansetzen wollen. Allerdings stabilisierte sich Barça gegen Paris spürbar, als Rodri nach 60 Minuten eingewechselt wurde.
Bekommt Pedri genügend Entfaltungsspielraum, um das Spiel zu lenken, wird sich Barcelona die Mehrzahl an Chancen erarbeiten.

Zusätzliche Stabilität könnte ein Comeback von Frenkie de Jong bringen. Der Niederländer bringt reichlich Clásico-Erfahrung mit – ein unbezahlbarer Faktor in einem Spiel dieser Größenordnung.
Da in 12 der letzten 17 Clásicos mindestens vier Tore fielen, stehen die Zeichen erneut auf Spektakel. Für beide Klubs steht enorm viel auf dem Spiel, wenn auch unter völlig unterschiedlichen Voraussetzungen. Das Spiel kann beginnen!
