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Como vor CL-Debüt gegen Leipzig: Die Nacht, auf die man ein Leben lang gewartet hat

Nico Paz nach der Qualifikation Comos für die Champions League
Nico Paz nach der Qualifikation Comos für die Champions LeagueLaPresse / Sipa USA / Profimedia

Von der Wiedergeburt im Jahr 2017 bis zum Sprung auf die große europäische Bühne: Como 1907 steht unmittelbar vor dem Höhepunkt eines beispiellosen Aufstiegs. Im Heimspiel wartet mit RB Leipzig ein Kontrahent, der wie kaum ein anderer Verein für den rasanten Wandel von ambitionierten Investitionen in Spitzenfußball steht.

Am Donnerstag, den 10. September, betritt Como eine Fußballbühne, die dem Klub in seiner bisherigen Geschichte verwehrt blieb: Um 21:00 Uhr empfängt die Mannschaft von Cheftrainer Cesc Fàbregas im ausverkauften Stadio Giuseppe Sinigaglia den RB Leipzig zu ihrem allerersten Europapokalspiel. Die gesamte Stadt fiebert einer magischen Nacht entgegen, die sich tief in das Gedächtnis des Vereins einbrennen wird.

Es ist weit mehr als nur eine Premiere im internationalen Wettbewerb – es ist die Krönung eines fundamentalen Wandelprozesses. Obwohl sich Como und Leipzig erstmals auf dem Platz gegenüberstehen, verbindet beide Klubs eine erstaunlich ähnliche DNA: Beide stehen für einen modernen, offensiven Fußballanspruch und verfügen über professionelle Vereinsstrukturen, die innerhalb kürzester Zeit den Weg an die europäische Spitze geebnet haben.

Besondere Würze erhält das Duell am See durch zwei Bekannte des italienischen Fußballs: Christopher Nkunku und Neil El Aynaoui, die erst in der vergangenen Transferperiode nach Leipzig gewechselt sind.

Zum Match-Center: Como 1907 vs. RB Leipzig

Comos Märchen begann im Jahr 2017, als der Verein nach der Insolvenz aus der Asche neu gegründet werden musste. Den entscheidenden Wendepunkt markierte zwei Jahre später der Einstieg der indonesischen Hartono-Familie. Mit neuem Kapital und klarer Strategie ebneten die Investoren den Weg für ein atemberaubendes Wachstum, das den Klub innerhalb weniger Jahre aus der viertklassigen Serie D bis in die Serie A und schließlich in die Champions League katapultierte.

Zwei Wege, eine Erfolgslogik

Drei Aufstiege in sechs Spielzeiten – eine Bilanz des Erfolgs. Begleitet wurde dieser Weg von Investitionen in Höhe von über 300 Millionen Euro für Spielerkäufe, Kapitalaufstockungen und Infrastruktur. Doch das Geld allein war nicht der Schlüssel: Erst die schrittweise Formung einer starken Identität und professionellen Struktur machte den Traum wahr.

Dieser Weg weist verblüffende Parallelen zu RB Leipzig auf – wenn auch in anderer Größenordnung und mit zeitlichem Vorsprung. Als Red Bull 2009 das Startrecht des SSV Markranstädt übernahm, begann ein ähnlich rasanter Aufstieg: Drei Aufstiege in vier Jahren führten die Sachsen von der 5. Liga direkt in die Bundesliga, wo sie bereits in ihrer Premierensaison Vizemeister wurden.

Seit 2009 flossen in Leipzig rund 1,2 Milliarden Euro an Investitionen. Obwohl sich die finanziellen Dimensionen unterscheiden, liegt beiden Projekten dieselbe Philosophie zugrunde: Eine klare Vision mit Konsequenz, Ehrgeiz und Tempo in eine wettbewerbsfähige Realität auf Top-Niveau zu verwandeln. Es ist dieser rote Faden, der zwei Vereine aus völlig unterschiedlichen Epochen und Hintergründen nun am Vorabend ihres ersten Duells auf internationalem Parkett vereint.

Große Geste von Präsident Suwarso

Für den passenden Rahmen sorgt das malerisch gelegene Stadio Sinigaglia am Seeufer. Die 11.000 Tickets für das Premieren-Match waren im Nu vergriffen. Doch ausgerechnet die von der UEFA vorgegebenen Kapazitätsbeschränkungen sorgten im Vorfeld für Wermutstropfen, da nicht alle treuen Anhänger einen Platz ergattern konnten.

Genau aus diesem Dilemma entstand eine der berührendsten Gesten des Spieltags: Comos Präsident Mirwan Suwarso verzichtet zusammen mit mehreren Vorstandsmitgliedern auf die eigenen VIP-Plätze, um sie den ältesten Fans des Vereins zu überlassen – jenen Menschen, die dem Klub seit Jahrzehnten durch alle Tiefen der unteren Ligen die Treue gehalten haben.

"Durch die reduzierte Kapazität können wir leider nicht alle Fans empfangen, die diesen Moment verdient hätten. Deshalb haben mein Vorstand und ich beschlossen, unsere eigenen Plätze für dieses Spiel zur Verfügung zu stellen", erklärte Suwarso.

Der Präsident präzisierte die Aktion: "Wir möchten diese Karten an die Anhänger vergeben, die am längsten gewartet haben: Fans, die 1950 oder früher geboren wurden und Como durch jede Epoche begleitet haben. Wenn Sie einen solchen langjährigen Fan kennen, schreiben Sie uns – wir überlassen ihm mit Freude unsere Plätze."

Como ist bereit für den CL-Start

Diese Entscheidung verleiht der Champions-League-Premiere eine emotionale Tiefe, die weit über das Sportliche hinausreicht. Schon bevor der erste Ball rollt, erzählt dieses Spiel eine außergewöhnliche Geschichte: Die Geschichte eines Klubs, der unerwartet den Gipfel erreicht hat, und seiner Fans, die nach Jahrzehnten des Wartens endlich ihren Lebenstraum erfüllt sehen.

Wenn am Donnerstagabend die Champions-League-Hymne erklingt, ist das Sinigaglia nicht bloß Schauplatz eines Fußballspiels – es wird zum Schmelztiegel zwischen der Tradition von gestern, dem Erfolg von heute und den Träumen von morgen.