Crunchtime im Abstiegskampf. Für die Fans zählt nur ein Sieg. Und auch die Polizei ist alarmiert. Doch für Merlin Polzin ist das brisante Nordderby vor allem auch ein Freundschaftsspiel.
Daniel Thioune "ist für mich ein wichtiger Mensch und ein wichtiger Trainerkollege, der dafür gesorgt hat, dass ich heute hier sitzen darf", sagte der Cheftrainer vom Hamburger SV vor dem Bundesliga-Klassiker (Samstag, 15:30 Uhr) über seinen ehemaligen Chef auf der Betreuerbank von Werder Bremen.
Thioune hatte Polzin 2014 ins Fußball-Geschäft geholt. Er förderte ihn, machte ihn zu seinem Assistenten. Mit der Zeit wurden man auch zu guten Kumpels. Er sei Thioune "sehr dankbar" für alles, was dieser für ihn getan habe.
Neun Jahre lang arbeiteten sie Seite an Seite, erst beim VfL Osnabrück, dann in Hamburg. Nun steht ihr erstes Trainerduell auf der großen Bühne an. "Es gibt nicht viele Dinge, die cooler sind, als in einem Bundesligaspiel gegeneinander antreten zu dürfen", sagte Polzin.
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Druck bleibt groß
Aber der ehemalige Lehrling kann auch sehr viel entspannter in diese besondere Partie gehen. Der Druck auf seinen früheren Meister ist sehr viel größer. "Wir müssen am Wochenende punkten", sagte Thioune. Werder hat drei der letzten vier Spiele verloren, der Vorsprung auf den Relegationsrang (St. Pauli) beträgt nur drei Punkte.

Der HSV könnte sich hingegen ausgerechnet in Bremen, beim ungeliebten Nachbarn, mit einem Sieg wohl aller Abstiegssorgen entledigen. "Ich kann während des Spiels gut einschätzen, worum es geht: Beide Mannschaften wollen gewinnen. Es geht nicht um Thioune und Polzin", sagte Polzin: "Trotzdem steht ein Freund von mir auf der anderen Seite."
Match-Center: Werder Bremen vs. Hamburger SV
Ohne Thioune wäre Polzin nicht hier
Als 22-Jähriger war der gebürtige Hamburger Polzin zum Lehramtsstudium nach Osnabrück gezogen, doch der Fußball zog ihn magisch an. Er schaute bei einem U17-Training von Thioune vorbei, machte sich fleißig Notizen – und fiel dadurch auf. Schließlich holte Thioune ihn ins Nachwuchszentrum des VfL und machte ihn zum Co-Trainer.
Als Thioune 2017 zum Cheftrainer befördert wurde, blieb Polzin an seiner Seite. 2020 nahm Thioune Polzin auch mit zum HSV, der einstige Schützling blieb dann aber an der Elbe, als Thioune kurz vor Saisonende in der 2. Liga gehen musste. Fünf Jahre später gelang Polzin, mittlerweile Cheftrainer beim HSV, dann das, was Thioune nicht schaffte – den Aufstieg in die Bundesliga mit den Hamburgern.
