Bundesliga: Heidenheim sendet Lebenszeichen – Bayern mit denkwürdiger CL-Generalprobe

Budu Zivzivadze (r.) feiert seinen Treffer für Heidenheim gegen St. Pauli.
Budu Zivzivadze (r.) feiert seinen Treffer für Heidenheim gegen St. Pauli.TOM WELLER / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Der 1. FC Heidenheim hat den letzten Strohhalm ergriffen, das direkte Kellerduell gegen den FC St. Pauli für sich entschieden und die rechnerische Chance auf den Klassenerhalt gewahrt. Am anderen Ende der Tabelle hat die B-Elf des FC Bayern nach einer völlig vergeigten ersten Halbzeit eine denkwürdige Generalprobe für das Champions-League-Halbfinale gefeiert. Wir haben alles Wichtige aus der Samstagskonferenz für dich zusammengefasst.

Mainz 05 3:4 (3:0) FC Bayern

Der FC Bayern hat die Generalprobe vor dem Champions-League-Kracher bei Paris Saint-Germain mit einer irrsinnigen Energieleistung gerettet. Der bereits feststehende Meister kam mit einer B-Elf beim Angstgegner Mainz 05 nach verschlafener erste Hälfte noch zu einem 4:3 (0:3) und wendete die erste Auswärtsniederlage der Saison ab. Die 91 Punkte aus der bislang historisch besten Bundesliga-Saison im Jahr 2012/13 bleiben nach der furiosen zweiten Halbzeit damit weiter erreichbar.

Dominik Kohr (15.), Paul Nebel (29.) und Sheraldo Becker (45.+2) stellten die Zeichen eigentlich auf erste Auswärtsniederlage seit 497 Tagen. Gegner damals waren ebenfalls die Rheinhessen, die zuvor vier ihrer vergangenen fünf Heimspiele gegen den deutschen Rekordmeister gewonnen hatten. Doch Nicolas Jackson (53.), Michael Olise (73.), Jamal Musiala (81.) und Harry Kane (83.) schlugen zurück. Olise, Musiala und Kane kamen erst nach der Pause ins Spiel. Dank der zweiten Halbzeit können die Bayern doch noch mit breiter Brust ins Halbfinal-Hinspiel in Paris am Dienstag (21.00 Uhr/Prime Video) gehen.

Statistiken Mainz vs. Bayern
Statistiken Mainz vs. BayernOpta Graphics

Kompany hatte für das "Zwischenspiel" drei Tage nach dem Pokal-Halbfinale in Leverkusen (2:0) und vor dem Hinspiel-Hit in der Königsklasse gemahnt. "Das Mainz-Spiel ist keine Probe, sondern ein Bundesligaspiel", betonte der Coach: "Wir wollen die drei Punkte." Dennoch ließ er seine Stammspieler Kräfte sparen, nahm gleich acht Veränderungen vor. Joshua Kimmich und Dayot Upamecano blieben sogar in München, der 18 Jahre alte Senegalese Bara Ndiaye feierte sein Startelf-Debüt.

Vor dem Anpfiff überreichten die Mainzer einen Blumenstrauß und eine Flasche Champagner an den Meister - doch das war es zunächst mit Geschenken. Die Rheinhessen machten dem Favoriten das Leben mit einem tiefen und kompakten Verteidigungsblock schwer, nach vorne waren Konter und Standards das Mittel der Wahl. Nach einer Ecke bekam Kaishu Sano vor 33.305 Zuschauern den zweiten Ball, Kohr verwertete die Flanke per Volleyabnahme.

Die Bayern hatten zwar deutlich mehr vom Spiel, doch aufgrund zu vieler einfacher Ballverluste wurde der Gegner oft zu Umschaltaktionen eingeladen. Bei einem weiteren Konter parierte Jonas Urbig sowohl gegen Becker als auch beim Nachschuss gegen Nadiem Amiri stark (20.). Der wild durcheinander gewürfelten Kompany-Elf fehlte komplett die Abstimmung. Den nächsten Schuss von Amiri konnte Urbig nur nach vorne klatschen lassen, Nebel staubte erfolgreich ab.

Die erste klare Bayern-Chance hatte Alphonso Davies erst in der 40. Minute, traf aber nur das Außennetz. Stattdessen setzte Becker auf der Gegenseite nach Lattentreffer von Amiri zum 3:0 nach. Zuletzt lagen die Münchner im November 1975 zur Halbzeit höher zurück. Kompany brachte dann Kane und Olise für Luis Díaz und Aleksandar Pavlovic - dies brachte etwas mehr Schwung.

Jackson bescherte dem Rekordmeister per Volley mit dem 50. Münchner Auswärtstor der Saison einen weiteren Rekord, ehe Olise per traumhaftem Schlenzer nochmal für Spannung sorgte. Musiala glich aus und Kane drehte das wilde Spiel komplett. Die Münchner feierten den vierten Treffer ausgelassen.

1. FC Köln 1:2 (0:1) Bayer Leverkusen

Bayer Leverkusen hat im engen Rennen um die Champions League vorgelegt. Am viertletzten Spieltag gewann das Team von Trainer Kasper Hjulmand das Derby beim rheinischen Nachbarn 1. FC Köln mit 2:1 (1:0) - und vergrößerte damit gleichzeitig noch einmal die Abstiegssorgen der Kölner.

Patrik Schick sorgte vor 50.000 Zuschauern in Müngersdorf mit einem strittigen Handelfmeter (43.) und nach einem Konter (52.) für die Treffer der Leverkusener. Köln kassierte nach fünf Spielen ohne Niederlage dagegen die erste Pleite unter Interimstrainer René Wagner - und muss im Tabellenkeller weiter zittern. Daran änderte auch der Treffer von Luca Waldschmidt (78.) nichts.

Statistiken Köln vs. Leverkusen
Statistiken Köln vs. LeverkusenOpta Graphics

Drei Tage nach dem Halbfinal-Aus im DFB-Pokal gegen den FC Bayern (0:2) wechselte Hjulmand lediglich auf zwei Positionen. Torhüter Janis Blaswich und Montrell Culbreath rotierten für die angeschlagenen Mark Flekken und Lucas Vázquez in die erste Elf. Das Derby komme zur "richtigen Zeit", hatte Hjulmand im Vorfeld betont: "Wir haben noch vier Spiele und wir müssen diese vier Spiele gewinnen."

Den deutlich besseren Start erwischten jedoch die Gastgeber. Ohne den verletzten Zielspieler Ragnar Ache lauerte Said El Mala vorne auf schnelle Umschaltmomente. Einen ersten Fehlpass von Jarell Quansah im Spielaufbau konnte der Kölner Shootingstar nicht verwerten (3.), Jakub Kaminski (4.), erneut El Mala (9./18) und Sebastian Sebulonsen (11.) ließen weitere gute Gelegenheiten liegen.

Dann aber hatten die Kölner Glück, als Schick einen Querpass von Eric Martel abfing und den Ball an den Pfosten schlenzte (14.). Den Pfosten traf auch El Mala, der 19-Jährige hatte nach dem nächsten Fehlpass von Quansah Keeper Blaswich jedoch bereits umkurvt - scheiterte dann jedoch aus spitzem Winkel an seinen Nerven (35.).

Mit dem Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Robert Hartmann haderten die Kölner, hatte Martel beim halbhohen Pass von Exequiel Palacios den rechten Arm doch klar angelegt. Schick verwandelte, Geburtstagskind Marvin Schwäbe kam nicht mehr entscheidend ran.

Nach der Pause hatte Kaminski die Riesenchance auf den Ausgleich, ließ diese jedoch fahrlässig liegen (52.). Bayer machte das Spiel schnell - und nur 17 Sekunden später drückte Schick auf der Gegenseite die Hereingabe von Nathan Tella artistisch über die Linie. Der eingewechselte Waldschmidt verkürzte.

VfL Wolfsburg 0:0 (0:0) Borussia Mönchengladbach

Der VfL Wolfsburg hat im Abstiegskampf einen möglichen Befreiungsschlag verpasst und steckt weiterhin tief im Tabellenkeller fest. Die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking trennte sich von Borussia Mönchengladbach 0:0 und blieb damit zwar im zweiten Spiel in Folge ungeschlagen, liegt aber weiter auf einem direkten Abstiegsplatz.

Auch für die Borussia dürfte sich das Remis eher wie eine verpasste Chance anfühlen. Das Team von Trainer Eugen Polanski ist nun seit fünf Spielen sieglos - davon vier Remis - und hat den Klassenerhalt weiterhin nicht sicher. Mit einem Sieg gegen Wolfsburg hätten die Fohlen zumindest nicht mehr direkt absteigen können. Turbulent wurde es in der Schlussphase, als Gladbachs Jens Castrop nach einem harten Foul die Rote Karte sah (90.+3) und es zu einer Rudelbildung kam.

Statistiken Wolfsburg vs. Mönchengladbach
Statistiken Wolfsburg vs. MönchengladbachOpta Graphics

Nachdem die Gäste nach dem 1:1 gegen den FSV Mainz 05 am vergangenen Spieltag laut Polanski noch "in sich gekehrt", "deprimiert" und "extrem angefressen" gewesen waren, präsentierten sie sich in Wolfsburg wie ausgewechselt und starteten furios. Bereits in der ersten Minute kamen Kevin Stöger und Franck Honorat zum Abschluss. Gladbach agierte in der Anfangsphase deutlich offensiver als zuletzt und stellte die Wolfsburger Defensive vor große Probleme.

Die erste gefährliche Aktion auf der anderen Seite hatte Mohammed Amoura: Der Algerier setzte sich in der 15. Minute im Alleingang durch, traf aus rund elf Metern jedoch nur den Pfosten. Trotz zahlreicher Chancen mangelte es der Borussia an Effizienz. Nach einem missglückten Abstoß von Kamil Grabara kam Haris Tabakovic (36.) völlig frei zum Abschluss, setzte den Ball aber deutlich über das Tor.

Kurz vor der Pause bot sich Amoura (44.) erneut eine Großchance. Wieder kam er frei zum Abschluss - und erneut fehlte die Präzision: Der Ball ging abermals am Pfosten vorbei.

Die zweite Hälfte begann mit einer kuriosen Szene: Die Wolfsburger kombinierten sich zunächst stark frei, Christian Eriksen leitete den Ball quer durch den Strafraum weiter – doch dann behinderten sich Aaron Zehnter und Amoura gegenseitig, als beide gleichzeitig zum Abschluss ansetzten und den Ball trafen. Auch in Durchgang zwei mangelte es beiden Teams an Präzision. Zu viele Angriffe versandeten durch einfache Ballverluste, Abschlüsse gingen entweder deutlich über das Tor oder knapp seitlich vorbei.

Insgesamt verlief die Partie nach der Pause deutlich ruhiger, mit leichten Vorteilen für den VfL Wolfsburg. Die beste Gelegenheit ergab sich, als ein Diagonalball von Konstantinos Koulierakis Sael Kumbedi (79.) fand, dessen Abschluss nur um Zentimeter am Tor vorbei strich – und damit sinnbildlich für das Wolfsburger Spiel an diesem Tag stand. Kurz vor Schluss landete ein Kopfball des eingewechselten Gladbachers Giovanni Reyna am Pfosten (85.).

1. FC Heidenheim 2:0 (1:0) FC St. Pauli

Der 1. FC Heidenheim hat seine minimale Chance auf den Klassenerhalt gewahrt. Die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt gewann das wenig ansehnliche Kellerduell gegen den FC St. Pauli mit 2:0 (1:0) und hat bei drei ausstehenden Spielen nur noch vier Punkte Rückstand zum Relegationsplatz. St. Pauli muss im Abstiegskampf ebenfalls weiter kräftig zittern.

Budu Zivziwadze brachte Heidenheim, das aus den letzten fünf Spielen immerhin acht Punkte geholt hat, bereits in der 3. Minute in Führung. Eren Dinkci (83.) machte spät alles klar. Die Hamburger blieben damit auch im siebten Spiel in Serie ohne Sieg, der Druck auf das Team von Alexander Blessin wird im Saisonendspurt gegen Mainz, Leipzig und Wolfsburg immer größer. Der FCH ist gegen den FC Bayern, Köln und Mainz gefordert, um nach drei Jahren doch noch erstklassig zu bleiben.

Statistiken Heidenheim vs. St. Pauli
Statistiken Heidenheim vs. St. PauliOpta Graphics

"Wir wissen um das Risiko, wollen uns aber nicht unserem Schicksal ergeben, sondern das Spiel in die Hand nehmen. Es ist auch eine Chance", sagte Trainer-Urgestein Schmidt vor seinem 742. Spiel für den FCH bei DAZN.

Am Tag vor der Partie hatte der 52-Jährige für Schlagzeilen gesorgt, nachdem er seinen Abschied im Sommer 2027 nach dann 20 Jahren in Heidenheim angedeutet hatte. Aber das Einzige, was zähle, sei "jetzt dieses wichtige Spiel", betonte er bei Sky direkt vor dem Anpfiff.

Schmidt wählte eine offensive Ausrichtung. St. Pauli musste indes auf Offensivspieler Mathias Pereira Lage verzichten, der sich im Training eine schwere Knieverletzung zugezogen hatte. Blessin sprach von einem "Schock".

Auch die Partie begann mit einem Rückschlag für die Hamburger. Nach einem Eckball wirkte St. Pauli reichlich unsortiert, Siwsiwadse stocherte den Ball über die Linie. St. Pauli benötigte einige Zeit, um sich zu finden. In der Folge entwickelte sich ein umkämpftes Spiel mit vielen Fehlern. Andreas Hountondji hatte die beste Chance zum Ausgleich (24.), doch FCH-Torwart Diant Ramaj reagierte glänzend.

Blessin verstärkte durch die Einwechslung von Martijn Kaars nach dem Wechsel die Offensive. Danel Sinani traf gleich einmal das Außennetz des FCH-Tores, Ramaj parierte erneut gegen Hountondji (53.). Es war ein kurzes Aufbäumen. Dinkci sorgte für die Entscheidung.

FC Augsburg 1:1 (1:0) Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt hat im Kampf um Europa den nächsten Dämpfer im Bundesliga-Schlussspurt kassiert. Die Mannschaft von Trainer Albert Riera kam beim FC Augsburg nicht über ein 1:1 (0:1) hinaus, der SC Freiburg könnte im Gerangel um Platz sieben mit einem Sieg bei Borussia Dortmund am Sonntag auf drei Punkte davonziehen. Der FCA sicherte vorzeitig den Klassenerhalt.

Joker Ritsu Doan (66.) erzielte den verdienten Ausgleich für Frankfurt. Anton Kade (44.) hatte die Augsburger, die seit nunmehr vier Spielen ungeschlagen sind, in Führung gebracht.

Statistiken Augsburg vs. Frankfurt
Statistiken Augsburg vs. FrankfurtOpta Graphics

"Wir müssen gut starten, das ist wichtig", hatte Frankfurts Coach Riera vor Anpfiff bei Sky gesagt und neben spielerischer Dominanz eindringlich gefordert: "Ich will eine Mannschaft sehen." Eine Woche nach dem 1:3 gegen RB Leipzig veränderte der Spanier seine Startelf auf drei Positionen, unter anderem kamen Youngster Love Arrhov und Can Uzun zum Zuge.

Nach einer Gedenkminute für den bei einem Verkehrsunfall verstorbenen Alexander Manninger, der von 2012 bis 2016 im FCA-Tor gespielt hatte, sorgte das Duo in der Anfangsphase für erste Gefahr im Augsburger Strafraum. Doch auch die zweikampfstarken Gastgeber suchten immer wieder den Weg nach vorne.

Spielerische Höhepunkte blieben trotzdem lange Mangelware, zu oft fehlte es auf beiden Seiten an der Präzision - bis kurz vor der Pause, als eigentlich die SGE mehr Kontrolle übernommen hatte. Nach einem Konter über die linke Seite traf Michael Gregoritsch den Pfosten, Kade stand in der Mitte goldrichtig und staubte ab.

Im zweiten Durchgang erhöhte Frankfurt weiter den Druck, Uzun (48.) rutschte bei einer guten Gelegenheit aber weg. Auf der Gegenseite köpfte Gregoritsch bei einer Ecke an den Pfosten (54.), der eingewechselte Doan zielte nach einem Konter besser - vom Innenpfosten sprang der Ball ins Tor. Auf beiden Seiten mussten die Keeper in der Schlussphase noch den Punkt festhalten.