Frage: Es sind sieben Jahre vergangen, seit Sie Ihre Karriere beendet haben. Was macht Gábor Király im Jahr 2026?
Antwort: Vor 23 Jahren habe ich damit begonnen, ein Sportzentrum aufzubauen, das wir seither jedes Jahr weiterentwickelt haben. Heute verfügen wir über sieben Fußballplätze, ein Vier-Sterne-Hotel, Konferenzräume und ein Rehabilitationszentrum mit zwölf Ärzten. Außerdem haben wir unseren eigenen Sportverein mit rund 400 Kindern, und insgesamt arbeiten etwa 70 Menschen auf dem Gelände.
Ich bin Präsident und Eigentümer und kümmere mich um die Strategie, die Struktur – im Grunde um alles. Unsere erste Mannschaft ist erstmals in der Vereinsgeschichte in die dritte Liga aufgestiegen. Das war immer unser Ziel und unser Traum. Daneben haben wir Nachwuchsteams für alle Altersklassen – von Kindern ab fünf Jahren bis zu den Erwachsenen. Es ist ein familiengeführtes Sportzentrum, das wir Jahr für Jahr weiterentwickeln.
F: Sie haben Ihre Karriere erst mit 43 Jahren beendet – ein außergewöhnliches Alter für einen Profifußballer.
A: Mein erstes Profispiel habe ich mit 17 bestritten, aufgehört habe ich mit 43. In diesen 26 Jahren habe ich 882 Profispiele absolviert. Das waren viele Erlebnisse, viele Gegentore, viele großartige Momente, aber auch schwierige Erfahrungen. Ich bin einfach dankbar, Teil der Fußballwelt gewesen zu sein.
Jedes einzelne Jahr und jeder Verein haben mich geprägt. Als ich angefangen habe, war mein Ziel, am Ende meiner Karriere sagen zu können, dass ich körperlich und sportlich alles aus mir herausgeholt habe.
Genau dieses Gefühl habe ich heute. Ich habe Fehler gemacht, großartige Paraden gezeigt, mit der Nationalmannschaft die EM 2016 erreicht und sowohl in der Bundesliga als auch in der Premier League gespielt. Alles, was ich mir vorgenommen hatte, habe ich erlebt. Diese Erfahrungen möchte ich heute an die nächste Generation weitergeben.
F: Kommen wir zu dem Markenzeichen, mit dem Sie weltweit verbunden werden: der grauen Trainingshose. Stimmt es, dass alles mit einer kaputten Waschmaschine begann?
A: Nicht nur meine Shorts waren betroffen, sondern die der ganzen Mannschaft. Die Waschmaschine war kaputt, deshalb wurde die Ausrüstung nicht gewaschen. Am nächsten Tag stand ein Erstligaspiel an, also zog ich die graue Trainingshose an – und wir gewannen.
Damals standen wir im Tabellenkeller. Für das nächste Spiel war wieder alles gewaschen und ich spielte zunächst wieder mit den schwarzen Shorts. Dann erinnerte ich mich daran, dass wir mit der grauen Hose gewonnen hatten. Also zog ich sie erneut an – und wir gewannen wieder.

Plötzlich kletterten wir bis ins Tabellenmittelfeld, etwa auf Rang acht oder zehn. Da dachte ich: Diese Hose bringt Glück. Von diesem Moment an habe ich sie immer getragen. Das ist die ganze Geschichte.
F: Hat jemals ein Trainer oder Schiedsrichter verlangt, dass Sie wieder normale Shorts tragen?
A: Einige haben es versucht. Ein Verein verpflichtete mich und sagte: 'Gábor, wir wollen diese grauen Hosen nicht.' Ich antwortete: 'Ihr habt mich mit den langen Hosen verpflichtet, also werde ich auch mit den langen Hosen spielen.'
Natürlich gab es viele Witze darüber. Aber ich habe auch im Training immer dieselben Hosen getragen. Für mich machte das keinen Unterschied.
F: Ihre graue Hose wurde zu Ihrem Markenzeichen – ähnlich wie Petr Čechs Helm. Wird man solche Fragen irgendwann leid?
A: Das ist eine interessante Frage. Für mich war die Hose immer einfach Arbeitskleidung. Ich habe 26 Jahre als Profi gespielt, davon 23 mit der grauen Hose. Irgendwann fragten mich die Leute, ob sie zu Weihnachten eine solche Hose bekommen könnten. Ich sagte natürlich ja, und jedes Jahr wollten mehr Menschen eine als Erinnerung.
Nach meiner Karriere dachte ich deshalb: Warum daraus nicht eine eigene Marke machen? Bis heute produzieren wir die grauen Hosen, und die Leute bestellen sie bei uns. Es ist eine schöne Geschichte. Während meiner aktiven Karriere waren sie für mich aber nie mehr als meine Schuhe, meine Handschuhe oder der Ball – einfach mein Arbeitsmaterial.
F: Wie hat sich das Torwartspiel seit Ihren besten Jahren verändert?
A: Die Torwartposition entwickelt sich ständig weiter. Die Torhüter werden jedes Jahr schneller, stärker und athletischer. Trotzdem entscheiden noch immer dieselben Dinge über Tore: Fängst du den Ball oder nicht? Stehst du richtig oder nicht?
Vieles hat sich verändert, aber ich habe den Eindruck, dass heute weniger Wert auf die richtige Positionierung und Bewegung gelegt wird. Oft geht es darum, spektakuläre Paraden für die Kameras zu zeigen. Die Analysen sind zwar detaillierter geworden, aber nicht immer führen sie zum richtigen Weg. Das vermisse ich im modernen Fußball. Heute sieht man Torhüter, die rückwärts oder sogar hinter die Torlinie springen, statt nach vorne zu verteidigen und den Ball anzugreifen.
"Tradition kommt immer zurück"
F: Kommen wir zu Ihrer Karriere: Bei Hertha BSC gelang Ihnen der internationale Durchbruch. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?
A: Es war eine großartige Erfahrung. Ich war damals erst 22 oder 23 Jahre alt und hatte noch wenig Erfahrung. Innerhalb kürzester Zeit ging alles sehr schnell.
Ich kam aus der ungarischen Liga in die Bundesliga. Im ersten Jahr schafften wir den Klassenerhalt, im zweiten wurden wir Dritter und qualifizierten uns für die Champions League. Zu Beginn meines dritten Jahres spielte ich plötzlich gegen Bergkamp, Del Piero oder Rivaldo.

Diese Zeit vermisse ich, weil ich gegen außergewöhnliche Spielerpersönlichkeiten antreten durfte, wie man sie heute nicht mehr so häufig sieht. Diese Erfahrungen haben meine Mentalität entscheidend geprägt.
F: Wie bewerten Sie die aktuelle Situation von Hertha BSC?
A: Hertha BSC ist für mich unabhängig von der Liga immer noch die Nummer eins in Berlin. Natürlich spielt Union derzeit in der Bundesliga, aber Hertha ist der größere Traditionsverein und muss dorthin zurückkehren.
Viele große Vereine mussten schon durch die zweite, dritte oder sogar vierte Liga. Tradition kommt immer zurück. Kleine Vereine schaffen manchmal den Aufstieg und bleiben einige Jahre oben, doch irgendwann steigen sie wieder ab. Die Tradition bleibt.
Gerüchte um Arsenal und die EM 2016 als Highlight
F: 2001 galt ein Wechsel zu Arsenal als möglich. Wie konkret war dieser Transfer?
A: Die beiden Vereine haben miteinander gesprochen, aber ich wusste nie genau, worüber. Es gab damals viele Möglichkeiten. Ich sprach mit Kevin Keegan bei Manchester City, mit Franco Baresi beim AC Mailand, mit Giovanni Trapattoni über die Fiorentina und mit Gianluca Vialli bei Chelsea.
Weil wir mit Hertha in der Champions League spielten und zu den besten 16 Mannschaften Europas gehörten, war das Interesse entsprechend groß. Trotzdem habe ich mich in Berlin immer sehr wohlgefühlt. Am Ende konnten sich die Vereine nicht einigen.
F: Bei der EM 2016 waren Sie mit 40 Jahren der älteste Spieler des Turniers. Welche Bedeutung hatte dieses Turnier für Sie?
A: Jede Karriere kennt Höhen und Tiefen. Mit 30 sagten viele, ich sei zu alt und solle aufhören. Ich wollte aber weiterspielen und habe konsequent an meinen Leistungen gearbeitet. Zehn Jahre später stand ich mit 40 gemeinsam mit Spielern Anfang 20 in der Nationalmannschaft. Wir qualifizierten uns über die Play-offs gegen Norwegen für die Europameisterschaft. Das war ein großartiges Gefühl.

Ich habe das Turnier einfach genossen. Für mich war es meine Arbeit, keine Show. Meine Nationalmannschaftskarriere bei einer Europameisterschaft zu beenden, machte mich sehr glücklich.
Lob für Rossi und Szoboszlai
F: Ungarn verfügt heute mit Spielern wie Dominik Szoboszlai oder Milos Kerkez über eine talentierte Generation. Wie bewerten Sie die Mannschaft und die Arbeit von Marco Rossi?
A: Marco Rossi ist genau der richtige Trainer für Ungarn. Er kennt das Land, hat mit Honvéd die Meisterschaft gewonnen und weiß, wie ungarische Spieler und Menschen denken. Wir haben viele talentierte junge Spieler. Sie brauchen Zeit, dürfen Fehler machen und daraus lernen.
Der ungarische Fußballverband und Präsident Sándor Csányi geben Rossi die Möglichkeit, langfristig zu arbeiten. Genau so entsteht nachhaltiger Erfolg.
F: Was macht Dominik Szoboszlai so besonders?
A: Für mich ist entscheidend, dass er bereit ist, für den Fußball zu arbeiten. Er will nicht nur im Mittelpunkt stehen, sondern seine Aufgaben erfüllen. Er weiß, dass harte Arbeit zum Erfolg führt. Ob als Rechtsverteidiger oder im zentralen Mittelfeld – entscheidend ist, dass man seinen Job macht. Das hat er verstanden. Deshalb ist er so erfolgreich.
