"Je mehr, desto besser": Offene Titeljagd in der Formel 1 vor GP in Großbritannien

Die Formel 1 ist derzeit so ausgeglichen wie lange nicht mehr.
Die Formel 1 ist derzeit so ausgeglichen wie lange nicht mehr.EYE4images/NurPhoto / Shutterstock Editorial / Profimedia

Drei verschiedene Sieger, vier Teams, sechs Fahrer auf den Podien: Die Formel 1 erlebt in den jüngsten Rennen das Gegenteil der stets gefürchteten Langeweile - und das gefällt besonders den Protagonisten. "Ich hätte ehrlich gesagt gerne einen großen Kampf", sagt George Russell, der sich in Spielberg mühsam zurück ins WM-Rennen gearbeitet hat, "man will die besten Fahrer, die besten Teams, alle dabei haben. Je mehr, desto besser."

Der Mercedes-Pilot beendete mit dem Sieg in der Hitzeschlacht von Österreich seine fast viermonatige Durststrecke. Doch neben ihm, Spitzenreiter Kimi Antonelli und Rekordweltmeister Lewis Hamilton drängt nun sogar Max Verstappen wieder zurück an die Spitze. Die Jagd auf die Krone des Motorsports scheint plötzlich offener denn je.

Zwar hat noch immer Mercedes, das sieben der acht Rennsiege einfuhr, das beste Auto - und mit dem Führenden Antonelli 40 Punkte vor Russell die besten Aussichten. Doch die Konkurrenz kommt näher. In Barcelona, feierte Hamilton zuletzt seinen ersten Sieg im Ferrari, nun kam Verstappen nur 1,6 Sekunden hinter Russell ins Ziel und wittert nach langer Schwächephase im runderneuerten Red Bull seine Chance.

Auch die internationale Presse hat die neue Spannung an der Spitze registriert. Corriere dello Sport bilanzierte: Der Erfolg von Russell "belebt den Titelkampf neu". El Mundo Deportivo stellte fest: "Die Bestie ist zurück" - und meinte damit Verstappen.

Schließlich trumpfte der viermalige Weltmeister aus den Niederlanden groß auf. Inmitten der Gerüchte um einen Abschied von Red Bull lieferte er die beste Saisonleistung. "Das Befriedigende war, dass ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, wirklich um den Sieg kämpfen zu können", sagte er nach Platz zwei.

Hamilton zwischen Sekt und Selters

Teamchef Laurent Mekies freute sich über "einen Schritt in die richtige Richtung". Aber: "Das ist jetzt gerade mal der Beginn des Kampfes. Jeder entwickelt weiter, jeder wird weitere Updates bringen." Auch Verstappen, derzeit WM-Siebter, bremste: "Für einen WM-Titel haben wir noch zu viele Probleme."

Wie groß die Diskrepanz zwischen zwei Rennwochenenden sein kann, zeigt Ferrari. Nach dem Rennsieg von Hamilton in Barcelona fuhr die Scuderia in Österreich nur auf Platz fünf und acht - auch wegen fragwürdiger Boxenstopp-Entscheidungen. "Wir haben bei der Strategie überreagiert", kritisierte Teamchef Fred Vasseur: "Das ist sehr schade, denn da fehlen uns Punkte im WM-Kampf."

Was dieser in Großbritannien bereithält, vermag niemand zu beurteilen. "Diese Saison hat so viele Unbekannte mit sich gebracht: Es kann sein, dass wir beide nach Silverstone gehen und ein großartiges Wochenende haben, es kann sein, dass wir hinfahren und Max obenauf ist. Ich gehe einfach mit einer offenen Einstellung hinein", sagte Russell. In diesem Titelrennen scheint gerade alles möglich.