Fall Vondrousova: Viel Solidarität und eine ungewisse Zukunft

Marketa Vondrousova
Marketa VondrousovaMasatoshi Okauchi / Shutterstock Editorial / Profimedia

Die Welle der Solidarität ist riesig. Die zweimalige Grand-Slam-Siegerin Coco Gauff, French-Open-Halbfinalistin Marta Kostyuk und auch die deutsche Hoffnungsträgerin Eva Lys sprangen Tennisprofi Marketa Vondrousova neben vielen weiteren Topspielerinnen sofort zur Seite – und äußerten ihr Mitgefühl angesichts der empfindlichen Dopingsperre gegen die einstige Wimbledonsiegerin.

"Das ist völlig verrückt. Ich sende Marketa ganz viel Liebe", schrieb Lys im Kurznachrichtendienst X schon kurz nach der Verkündung der Internationalen Agentur für Tennisintegrität (ITIA), dass Vondrousova wegen eines verweigerten Tests vier Jahre nicht spielen darf. Auch bei Instagram flogen der 26-Jährigen, deren Karriere plötzlich am seidenen Faden hängt, die Herzen nur so zu.

Die frühere Weltranglistensechste aus Prag äußerte sich selbst in dem Sozialen Netzwerk schwer getroffen. "Ich habe nie gedopt", schrieb sie unmissverständlich: "Ich hatte noch nie einen positiven Test. Im Laufe meiner gesamten Karriere habe ich mich unzähligen Doping-Kontrollen unterzogen und bin immer mit gutem Gewissen auf den Platz gegangen." Womöglich bezahlt sie einen Fehler enorm teuer.

Vondrousova wird ihrem Beruf eine quälend lange Zeit nicht nachgehen können – wenn ein möglicher Einspruch nicht doch noch für eine Verkürzung sorgt. Sofort kamen Fragen nach einer Verhältnismäßigkeit im Vergleich zu den Topstars Jannik Sinner und Iga Swiatek auf, die trotz positiver Tests weitaus kürzer aussetzen mussten. Sinner drei Monate, Swiatek gar nur einen Monat. Aber die Vergleiche sind schwierig.

Dopingtest verweigert

Der Fall Vondrousova dreht sich um die Ereignisse vom 3. Dezember des vergangenen Jahres. Die Tschechin wurde laut Ausführung von Nicole Sapstead im Guardian von einer Kontrolleurin aufgesucht. Diese habe nach Angaben der leitenden Direktorin für Anti-Doping bei der ITIA der Athletin auch verdeutlicht, dass ihre Ablehnung des Prozesses empfindliche Konsequenzen haben könnte. Vondrousova soll dennoch ihre Verweigerung schriftlich in einem Formular bestätigt haben und dann mit ihrem Hund rausgegangen sein.

Die Wimbledonsiegerin von 2023 nannte für ihr Verhalten unterschiedliche Gründe. Zunächst deutete sie an, die Kontrolleurin habe sich nicht an die Vorschriften gehalten. Die Profis müssen jeden Tag für eine Stunde an einem definierten Ort erreichbar sein, können aber auch zu anderen Uhrzeiten aufgesucht werden.

Dann gab Vondrousova an, eine akute Stressreaktion und eine Angststörung hätten ihr Urteilsvermögen während der Begegnung beeinträchtigt. Letztlich reichten der ITIA Vondrousovas Argumente für eine Vermeidung oder Abschwächung der Strafe nicht aus – sie ist laut derzeitigem Stand bis Sommer 2030 gesperrt.

Und steht vor einer offenen Zukunft. "Zum ersten Mal in meinem Leben weiß ich nicht, wohin mich der Weg vor mir führt", schrieb sie.