Nach 30 gewonnen Matches in Folge, scheitert Jannik Sinner nach einer gefühlten Ewigkeit und das in dem Turnier, wo er als haushoher Favorit bei den Buchmachern galt. Einen Tag später erwischte es dann den nächsten großen Fisch. Novak Djokovic war wie Sinner ebenfalls zwei Sätze in Front, scheiterte dann jedoch an dem Wetter und der eigenen Physis - der Profiteur in diesem Fall, Joao Fonseca, der endlich seinen großen Durchbruch schaffen könnte.
Auch Francisco Cerundolo, der Zverev in der Vergangenheit bei diesen Bedingungen gerne geärgert hat, scheiterte an einem Underdog. Zachary Svajda wies den Argentinier, ebenfalls über fünf Sätze, in die Schranken.
Nun öffnet sich die Tür für eine Vielzahl an Namen, ihren ersten Triumph bei den French Open zu holen. Diese Herren hätten nach dieser beinahe historischen Pleite die größten Chancen im restlichen Turnierverlauf:
Alexander Zverev
Der Mann aus Hamburg spielt bisher eine hervorragende Sandplatz-Saison, scheitert dabei jedoch immer wieder an Jannik Sinner. Nach dem Aus des Mannes aus Südtirol, wären nun die Tore für einen möglichen Grand-Slam-Erfolg sperrangelweit offen. Gerade der 3:0-Erfolg gegen Tomas Machac zeigte, dass der Deutsche dieses Jahr nicht nach Paris gereist ist, um die französische Hauptstadt wieder schnell zu verlassen. Hält er seine aktuelle Form, ist er der neue Top-Favorit auf den Turniersieg und könnte den ewigen Fluch endlich brechen.
Casper Ruud
Bereits zweimal schaffte es der Sandplatz-Spezialist in das Endspiel von Roland Garros. Einmal war der "König", Rafael Nadal, eine Nummer zu groß für ihn, danach scheiterte er an Novak Djokovic. Nun wäre der Weg ohne die neue "Big Two" frei, um auf seinem Lieblingsbelag endlich den Grand-Slam-Erfolg zu holen. Die magischen Schläge gegen Hamed Medjedovic zuletzt haben gezeigt, dass ihn die Bärenhitze in Paris nichts anhaben kann und auch für Fünfsatz-Matches ist sich Ruud niemals zu schade.
Andrey Rublev
Der Russe ist ein Energiebündel, das sich auf dem Sandplatz enorm wohlfühlt und auch in schwierigen Situationen schaffte es Rublev in diesem Turnier, über die Mentalität zu kommen, sich zu pushen und vor allem die Nerven zu behalten. Gelingt ihm das weiterhin in Paris, kann er jedem Spieler, der noch im Turnier ist extrem gefährlich werden. Zwar wurde immer wieder gesagt, dass er das Zeug für einen Grand-Slam nicht hätte, aber die aktuelle Situation des Draws gestaltet das Turnier komplett offen.
Ein Underdog
Selten war die Chance so groß, in Paris Geschichte zu schreiben, wie jetzt. Gustavo Kuerten siegte 1997 als 20. der Setzliste, Mats Wilander war 1982 die Nummer 17 im Draw. Einige Namen hätten dieses Jahr das Zeug, hier für einen neuen Rekord zu sorgen. Frances Tiafoe (19.) befindet sich in der wohl besten Sandplatzform seit Jahren, ebenso ist Jakub Mensik (26.) nach dem klaren Sieg gegen Alex de Minaur einiges zuzutrauen. Vielleicht dürfen sich aber auch die Youngsters Rafael Jodar (27.) und Joao Fonseca (28.) allerlei Chancen ausrechnen. Besonders letzterer ist nach seinem Djokovic-Triumph komplett on fire.
Jaime Faria, der heute erst Jan-Lennard Struff bezwang, dürfte sich als absoluter Underdog, der über die Qualifikation kam, auch Chancen ausrechnen. Vor allem das Mindset könnte bei dem Portugiesen, der nach den Australian Open 2025 von Novak Djokovic explizit gelobt wurde, ein großer Vorteil sein. Aber auch Zachary Svajda, der auf Sand ein absolut unbeschriebenes Blatt ist, konnte mit Francisco Cerundolo einen großen Fisch aus dem Rennen nehmen, würde er gewinnen, wäre es jedoch die wohl größte Tennis-Sensation dieses Milleniums.
