Auf dem Papier geht es für Pytlick und seine Flensburger, den THW Kiel und die MT Melsungen beim Final Four in Hamburg "nur" um die Krone der European League, doch diesmal winkt dem Sieger in Europas zweitwichtigsten Klubwettbewerb ein königliches Upgrade. "Es geht nicht nur um einen Titel", so Pytlick, "es geht auch um die Qualifikation für die Champions League".
Möglich ist das durch die tabellarische Konstellation in der Bundesliga. Sollten sich mit dem SC Magdeburg und den Füchsen Berlin beide potenziellen diesjährigen Champions-League-Sieger über Platz eins und zwei in der Liga qualifizieren, geht der dritte deutsche Startplatz an den Gewinner von Hamburg – was nicht nur bei Pytlick für zusätzliche Motivation sorgt.
"Mein Ziel war es, mich mit einem Titel zu verabschieden, das ist die letzte Chance", sagte Flensburgs scheidender Nationalmannschaftskapitän Johannes Golla.
"Alle haben Bock auf dieses Wochenende", sagte Melsungens Nationalspieler Timo Kastening im Interview dem HR: "Es geht um einen europäischen Titel und zusätzlich auch noch um die Champions-League-Qualifikation. Das ist Ansporn genug."
Während die MT noch immer den ersten Pokal der Vereinsgeschichte jagt und Flensburg nach den Triumphen 2024 und 2025 zu gern als erstes Team den Gold-Hattrick in dem Wettbewerb perfekt machen würde, brennen die Kieler darauf, nach 2024 nicht die nächste titellose Spielzeit zu erleben.
Die Spieler verspüren aber "schon Vorfreude, dass wir in einer Saison mit Höhen und Tiefen noch eine Chance haben, um einen Titel zu spielen", sagte Nationalspieler Rune Dahmke: "Wir haben das Bedürfnis, nochmal ein echtes Highlight zu kreieren".
Gleiche Konstellation wie 2025
Egal, wie es kommt: Ein gutes halbes Jahr vor der Heim-WM verspricht das Finalturnier in der Hansestadt ein Handballfest – womöglich sogar mit einem deutschen Traumfinale. Dafür muss Rekordmeister Kiel im ersten Halbfinale am Samstag (12.30 Uhr) aber zunächst den französischen Vorjahreszweiten Montpellier HB besiegen, den zweiten Teilnehmer fürs Endspiel am Sonntag (18.00 Uhr) spielen Flensburg und Melsungen (Samstag, 15.30 Uhr/alle Dyn) aus.
Pikante Randnotiz: Im vergangenen Jahr hatte es an gleicher Stelle exakt die gleichen Halbfinalduelle gegeben. Seinerzeit setzten sich Flensburg und Montpellier durch. "Das bedeutet alles nichts", betont Flensburgs Nationalspieler Marko Grgic: "Es geht bei 0:0 los."
Die European League ist übrigens seit Jahren eine ziemlich deutsche Angelegenheit. Seit 2004 kam der Sieger nur zweimal nicht aus der Bundesliga (Lissabon 2022, Pick Szeged 2014). Kiel, Frisch Auf Göppingen und Magdeburg sind mit vier Titeln Rekordsieger. Flensburg gewann den Wettbewerb bislang insgesamt dreimal, Melsungen und Montpellier noch nie.
