Final Four als letzte Chance: Rekordmeister Kiel möchte die Saison retten

Kiel-Kapitän Domagoj Duvnjak
Kiel-Kapitän Domagoj DuvnjakEibner-Pressefoto/Marcel von Fehrn, Eibner-Pressefoto / Alamy / Profimedia

Ausgerechnet beim Final Four in der einstmals unbeliebten European League kann der THW Kiel seine Saison retten – und noch einen Platz in der Königsklasse ergattern. Es ist kompliziert.

Beim THW Kiel zählen sie schon die Stunden, die Stars des Rekordmeisters hat vor dem Europacup-Showdown das Jagdfieber gepackt. "Hamburg war unser Ziel, für das wir viel investiert haben – jetzt wollen wir dort mit unseren Fans ein geiles, erfolgreiches Wochenende haben", sagt Kapitän Domagoj Duvnjak voller Vorfreude auf das Final Four.

In der Hansestadt gehen die Zebras im kommenden Wochenende All In. Für sie steht viel auf dem Spiel. Mit einem Triumph im zweitwichtigsten Europapokal-Wettbewerb können Nationaltorhüter Andreas Wollf und Co. ihre bislang arg enttäuschende Saison retten – und sich über den Umweg European League doch noch für die lukrative Champions League qualifizieren.

Kiel erwarten schwierige Hürden

Ganz so einfach, wie die Kieler Königsklassen-Rechnung klingt, ist es allerdings nicht. Denn selbst ein möglicher Europacup-Sieg im starken Starterfeld mit dem französischen Vorjahreszweiten Montpellier HB (Kiels Halbfinalgegner am Samstag), dem doppelten Titelverteidiger SG Flensburg-Handewitt und der MT Melsungen garantiert noch nichts.

Das Vorrecht auf den dritten deutschen Königsklassen-Startplatz, den es ab der kommenden Saison gibt, hätte nämlich ein möglicher deutscher Champions-League-Sieger.

Nur wenn dieser (SC Magdeburg und Füchse Berlin stehen im Final Four im Juni) über die ersten beiden Plätze der Bundesliga bereits qualifiziert wäre – wonach es aktuell allerdings aussieht –, würde Kiel (oder eben auch Flensburg oder Melsungen im Falle eines Hamburg-Erfolgs) nachrücken.

Match-Center: Montpellier vs. Kiel

Schwenker attestiert eine Krise

Ziemlich viel Konjunktiv. Den sie in Kiel erstmal beiseite schieben. Nach einer Saison mit vielen Verletzungen und (bislang) mehr sportlichen Tiefschlägen als Höhenflügen geht es in Hamburg ein Stück weit auch um das Renommee und das Selbstverständnis des Rekordmeisters. "Der THW zeigt im Moment mehrere Symptome einer Krise", attestierte etwa Liga-Präsident Uwe Schwenker im aktuellen kicker.

Der Mann, der den THW als Manager seinerzeit durch die goldenen Jahre mit Meistertiteln in Serie und großen Erfolgen in der Champions League manövrierte, sieht beim Tabellen-Fünften der Bundesliga "gewisse organisatorische und strukturelle Probleme". Wenn man "wieder ganz, ganz nach vorne will", so Schwenker, müsse "der THW einige Hausaufgaben machen".