Hinter dem finalen Auftritt des 47-Jährigen steckt ein tiefes persönliches Motiv: "Es gibt Dinge, die man nicht kaufen kann – dazu gehören Charakter und das eigene Wort. Ich habe meiner Familie versprochen, dass dies mein letzter Kampf sein wird", sagte der fünfmalige Weltmeister vor seinem Abschiedskampf am Samstag in Stuttgart. Aus diesem Grund steht für ihn unumstößlich fest, dass nach diesem Wochenende Schluss sein wird.
Für das Duell im Ring kündigte die Box-Legende noch einmal einen kompromisslosen Fight an. Er wolle von der ersten Sekunde an Vollgas geben und alles herausholen, was körperlich in ihm steckt. Seinem Kontrahenten Granit Stein zollt der Altmeister vorab großen Respekt, da dieser als einziger potenzieller Gegner die Herausforderung ohne langes Zögern sofort angenommen habe. Sturm schätzt den 30-Jährigen als einen ausgesprochen starken und extrem kämpferischen Boxer ein.
Wortspiele und schwere Zeiten vor dem finalen Gong
Der Herausforderer reist ebenfalls mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein nach Stuttgart und sorgte bereits vorab mit einer verbalen Kampfansage für Aufsehen. Mit Blick auf seinen Nachnamen erklärte Stein schmunzelnd, dass ein Sturm einem Stein nichts anhaben könne. Trotz der sportlichen Rivalität vergaß der Jüngere jedoch nicht, die historische Lebensleistung seines Idols zu würdigen. Als er mit dem Boxen begann, war Felix Sturm eines seiner großen Vorbilder, weshalb das direkte Aufeinandertreffen für ihn etwas ganz Besonderes darstellt. Im Ring spiele diese Bewunderung am Samstag allerdings keine Rolle mehr, da er fest entschlossen sei, den Altmeister zu besiegen.
Mit diesem Kampf endet eine der schillerndsten Karrieren des deutschen Boxsports, die neben fünf WM-Titeln der Verbände WBO, WBA und IBF auch von massiven Tiefpunkten abseits des Rings geprägt war. Nach seinem WM-Erfolg über den Russen Fjodor Tschudinow im Jahr 2016 wurde Sturm positiv auf ein anaboles Steroid getestet, was er selbst jedoch stets bestritt. Die juristischen Folgen zogen sich über Jahre hinweg und mündeten 2020 in einer dreijährigen Freiheitsstrafe wegen Steuerhinterziehung, Verstößen gegen das Anti-Doping-Gesetz sowie vorsätzlicher Körperverletzung. Am Samstag soll diese bewegte Laufbahn nun endgültig ein friedliches und sportliches Ende finden.
