Als Vozinha über seinen großen Traum sprach, kannte ihn die Fußballwelt noch nicht. In einem weißen Shirt mit der Aufschrift "Cabo Verde" saß er da, kurz vor der WM, die sein Leben auf den Kopf stellen sollte. Der Torhüter des kleinen afrikanischen Inselstaates lächelte verlegen und malte sich kaum vorstellbare Szenarien aus.
Gegen Lionel Messi, den für ihn "besten Spieler aller Zeiten", würde er schon sehr gerne einmal spielen, gab Vozinha zu – und grinste: "Wer weiß, vielleicht würde ich sogar sein Trikot bekommen."
Vielleicht geht der Wunsch des 40-Jährigen, des vielleicht unwahrscheinlichsten Helden dieser WM, im Sechzehntelfinale von Miami tatsächlich in Erfüllung.

Kap Verde fordert Weltmeister Argentinien. Vozinha will sich dem schier unaufhaltsamen Messi in den Weg stellen. Die Welten, die am Samstag (00:00 Uhr MESZ/MagentaTV) aufeinanderprallen, könnten unterschiedlicher kaum sein. Zwei der Geschichten, die diese WM bisher prägten, verbinden sich.
Match-Center: Kap Verde vs. Argentinien
"Wir sind Kämpfer"
Inzwischen dürfte jeder Fan wissen, um wen es geht, wenn von Josimar José Évora Dias, kurz Vozinha, die Rede ist. "Vielleicht", sagte der Torhüter, der dank seiner Gala gegen Spanien (0:0) weltbekannt geworden war, hätten "viele von euch gedacht, dass kapverdische Spieler nicht gut genug sind".
Kap Verde sei "klein", ergänzte er nach dem historischen Einzug in die K.o.-Runde, "aber wir haben große Herzen, und wir sind Kämpfer."
Bereit für Superstar Messi
Sein größter Traum wird für den Mann, dessen WM-Märchen inzwischen über 17 Millionen Menschen bei Instagram verfolgen, zugleich seine größte sportliche Herausforderung.
Auch mit 39 verzaubert Messi die Fußballwelt, nur drei Spiele benötigte der Superstar für sechs Treffer – und er ist heiß auf weitere im Wettschießen mit Kylian Mbappé um den WM-Rekord.

Alles andere als ein Sieg der Albiceleste käme den größten Sensationen der Turniergeschichte nahe. Und doch sei es "sinnlos, zu behaupten, sie seien kein schwerer Gegner. Das wäre eine Lüge", warnte Lionel Scaloni vor seinem 100. Spiel als argentinischer Trainer.
Kap Verde, bislang ungeschlagen, habe es "schon Spanien, einem Favoriten, schwer gemacht".

Außenseiter bleibt optimistisch
Die Euphorie im kleinsten Land, das je die K.o.-Runde einer WM erreicht hat, ist jedenfalls grenzenlos. Der kapverdische Präsident José María Neves setzte sich vor dem größten Spiel in der Geschichte des Landes dafür ein, Messi ein Trikot des Nationalteams zu überreichen, "um ihn als einen der besten Spieler der Welt zu ehren". Und dennoch glaubt er fest daran, dass Kap Verde den Titelträger "mit 1:0 schlagen" könne.

Dafür braucht es Vozinha, der endgültig Heldenstatus erlangen und sich einen weiteren Wunsch erfüllen könnte. Angenommen, Kap Verde führt 1:0 und Messi tritt in der Schlussphase zum Elfmeter an – dann wäre das genau eine dieser Szenen, die sich Vozinha vor der WM ausgemalt hatte.
"Wenn ich den halten würde", sagte er, "es wäre wirklich ein Traum, so etwas zu schaffen." Dass Träume wahr werden können, erlebt Vozinha derzeit auf besondere Weise.
-----------------------------------------------------------------------------

