Kampf um Klopp: Macher Mintzlaff im Fokus – Red Bull zu Kompromiss bereit?

Jürgen Klopp (r.) im Gespräch mit Oliver Mintzlaff
Jürgen Klopp (r.) im Gespräch mit Oliver MintzlaffČTK / imago sportfotodienst / Gerhard Schultheiß

Oliver Mintzlaff hätte sich am liebsten in den Hintern gebissen. "Eine der größten Fehlentscheidungen" seiner Manager-Karriere sei es gewesen, sagte der mächtige Red-Bull-Boss im Februar 2025, dass er Julian Nagelsmann einst zum FC Bayern habe ziehen lassen. Daran änderten auch die 25 Millionen Euro Rekord-Schmerzensgeld nichts. Für seinen persönlichen "Königstransfer" Jürgen Klopp soll Mintzlaff jetzt keinen Cent bekommen - doch ist es vorstellbar, dass sich der gewiefte Verhandler noch einmal so verpokert wie 2021?

Wenn DFB-Präsident Bernd Neuendorf und sein Vize Hans-Joachim Watzke im Ringen um ihren Wunsch-Bundestrainer am Dienstag mit Mintzlaff zusammenkommen, sollten sie diese Anekdote im Hinterkopf haben. Die Verbandsbosse hatten sich nach dem Treffen mit Klopp am Samstag in New York zuversichtlich gezeigt, ihren Traumkandidaten bis 2030 binden zu können - "vorbehaltlich einer Einigung" mit Red Bull, wie es in der Erklärung danach hieß. Und da kommt nun Mintzlaff ins Spiel.

Eine millionenschwere Ablöse wie einst für Nagelsmann, das scheint längst klar, ist nicht das, was der "CEO Corporate Projects und Investments" von Red Bull für seinen "Head of Global Soccer" (Vertrag bis 2029) haben möchte. Die kolportierte Idee, Klopp auch als Bundestrainer als Markenbotschafter zu halten, wird inzwischen aus gut unterrichteten Kreisen dementiert - womöglich hat da aber auch jemand kalte Füße bekommen. Allerdings: Klopp als eine Art RB-Ratgeber in der Länderspiel-freien Zeit, wie jetzt zu hören ist - auch dieses Modell birgt für den höchsten deutschen Fußballlehrer die große Gefahr eines Interessenkonflikts.

Mintzlaff mit guten Verbindungen

Eine kreative Lösung müsse her - Mintzlaff ist sie in jedem Fall zuzutrauen. Der Mann hat Ausdauer - als Langstrecken- und Crossläufer zählte er einst zur nationalen Spitze, nahm zweimal an der Halbmarathon-WM teil (Bestzeit 1:04,35 Stunden). Seine Managerkarriere begann bei Puma und führte ihn zur Agentur Ferber Marketing, wo er auch die Ehefrau des Firmenchefs beriet - Schlagersängerin Andrea Berg. "Oli hat Seele, Herz und Visionen", sagte Berg 2022.

Von diesen Visionen profitierten auch Ralf Rangnick oder Mario Gomez, die Mintzlaff ebenfalls bei Ferber vertrat und später bei Red Bull unterbrachte. Von 2014 bis 2022 war er dort zunächst als Vorstandschef, dann als Geschäftsführer ein wesentlicher Faktor beim Aufstieg von RB Leipzig in die deutsche Elite und bis ins Halbfinale der Champions League.

Vor knapp vier Jahren verließ er die Sachsen und rückte an die Konzernspitze. Als einer von drei Geschäftsführern verantwortet er alle Sportaktivitäten des Brausegiganten von Fußball über Formel 1 bis Eishockey, dazu den Dosen-Kanal ServusTV.

Mintzlaff ist adidas-Aufsichtsratsmitglied und Vorstandsmitglied der einflussreichen Vereinigung European Football Clubs (EFC). 2023 werkelte er in der "Taskforce Nationalmannschaft" an der DFB-Zukunft mit - an der Seite von Neuendorf und Watzke. Als auf Neuendorfs Betreiben Andreas Rettig zum Geschäftsführer Sport mit Nationalmannschafts-Verantwortung ernannt wurde, trat er (wie Karl-Heinz Rummenigge) erbost aus dem Gremium aus.

Red Bull zu Kompromissen bereit

In seinem Handy soll Mintzlaff die Nummern von Tech-Gigant Elon Musk und Fußball-Weltstar Lionel Messi gespeichert haben, Kenner sehen ihn als ähnlich durchsetzungsstark. Den Vorwurf der mitunter allzu ruppigen Führung wies er zurück. "Bei uns wird schon gelacht", sagte er mal, "wir sind ja kein Bestattungsunternehmen".

Und auch mal zu einem Kompromiss bereit - wie bei Nagelsmann. Die hohe Ablöse, dazu der Wechselwunsch des damaligen RB-Coaches: Am Ende "gehört es sich für mich", sagte Mintzlaff später, "dass du an den Tisch kommst". Selbst wenn du dort deinen Trainer verlierst.