Sollte sich der Deutsche Fußball-Bund auf den kolportierten Deal mit dem Konzern einlassen, der Klopp angeblich auch während seiner Zeit als Bundestrainer als Werbepartner halten möchte, wäre dies "ein weiterer Kniefall vor dem Kapital", sagte Sprecher Thomas Kessen dem SID.
"Anstatt die Besonderheiten des deutschen Fußballs als Stärke zu begreifen und auf diesem Fundament nachhaltig Erfolge zu bauen, strebt man nach schnellen Ergebnissen und ist bereit, mit viel Geld und Integrität dafür zu zahlen", ergänzte Kessen mit Blick auf das Werben der DFB-Spitze um Klopp als Nachfolger des nach dem WM-Debakel zurückgetretenen Julian Nagelsmann.
Fanbündnis sieht Widerspruch zwischen Klopp und Red Bull
Als Interessenvertretung von Fußballfans und Vereinsmitgliedern wolle "Unsere Kurve" die sportliche Dimension der möglichen Verpflichtung nicht bewerten. "Sehr wohl sehen wir aber eine Dissonanz rund um die Wahrnehmung der öffentlichen Person Jürgen Klopp", sagte Kessen.
Aus Sicht des Fanbündnisses passt die öffentliche Wahrnehmung Klopps nicht zu dessen aktueller Verbindung mit Red Bull. "Wer sich in Mainz und Dortmund bodenständig gab und selbst in Liverpool noch als 'the normal one' vorstellte, der passt nicht zum Feind des Volkssports Fußball - dem RB-Konzern", erklärte Kessen.
Kritik am möglichen DFB-Plan: Sorge um Werte des deutschen Fußballs
Bevor Klopp "als vermeintlicher Heilsbringer aufs Podest hebt" werde, wolle "Unsere Kurve" an die Reaktionen und den verlorenen Kredit in Teilen der Dortmunder Anhängerschaft erinnern. Die Kritik richtet sich dabei weniger gegen Klopps sportliche Fähigkeiten, sondern gegen die mögliche Verbindung zwischen dem Amt des Bundestrainers und seinen Aufgaben bei Red Bull. Das Fanbündnis sieht darin einen Widerspruch zu den traditionellen Werten, die viele Anhänger mit dem deutschen Fußball verbinden.
Klopp gilt beim DFB als Wunschkandidat für die Nachfolge von Julian Nagelsmann. Der Verband ist auf der Suche nach einer Lösung, nachdem Nagelsmann nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der Weltmeisterschaft zurückgetreten war.
Klopp bei Red Bull bis 2029 gebunden – DFB sucht nach Lösung
Klopp arbeitet als "Global Head of Soccer" bei Red Bull und besitzt dort einen Vertrag bis 2029. Der DFB müsste ihn aus diesem Kontrakt herauslösen, sollte es zu einer Zusammenarbeit in der deutschen Nationalmannschaft kommen. Die Verantwortlichen des Verbands versuchen allerdings, eine solche Konstellation bei der Besetzung des Bundestrainerpostens zu vermeiden. Eine mögliche Alternative wäre, Klopp auch während seiner Tätigkeit für den DFB als Werbepartner des Konzerns auftreten zu lassen.
Diese Variante soll bei den bisherigen Gesprächen zwischen den Beteiligten favorisiert worden sein. Ob und wie sich die unterschiedlichen Interessen miteinander verbinden lassen, bleibt jedoch eine der zentralen Fragen bei der möglichen Verpflichtung des ehemaligen Erfolgstrainers.
