Eskalierender Konflikt: Iran verlegt WM-Quartier von den USA nach Mexiko

Die iranische Nationalmannschaft wird ihr WM-Quartier in Mexiko aufschlagen.
Die iranische Nationalmannschaft wird ihr WM-Quartier in Mexiko aufschlagen.REUTERS/Efekan Akyuz

Knapp drei Wochen vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat der iranische Fußballverband eine organisatorische Änderung bekannt gegeben: Die Nationalmannschaft wird ihr geplantes Trainingslager nicht in den USA beziehen, sondern kurzfristig nach Mexiko ausweichen. Als neuer Standort wurde die Grenzstadt Tijuana gewählt. Hintergrund des Wechsels sind die anhaltenden militärischen Konflikte zwischen den USA und dem Iran sowie massive Probleme bei der Visavergabe für iranische Funktionäre.

Laut einer Erklärung von Mehdi Taj, dem Präsidenten des iranischen Fußballverbandes, wurde der Verlegung am Freitag in einem Webinar-Meeting mit FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström sowie vorangegangenen Gesprächen in Istanbul offiziell stattgegeben. "Unser Antrag, das Quartier des Teams von den Vereinigten Staaten nach Mexiko zu verlegen, wurde genehmigt", erklärte Taj am Samstag. Das neue Camp in Tijuana liege strategisch günstig an der Pazifikküste direkt an der mexikanisch-amerikanischen Grenze auf mexikanischem Territorium.

Der Wechsel erfolgt inmitten extremer politischer und militärischer Spannungen. Ende Februar – nur eine Woche vor dem Ausbruch offener Kriegshandlungen durch US-amerikanische und israelische Angriffe auf den Iran – hatte der Kino Sports Complex im US-Bundesstaat Arizona das Team noch offiziell als Gastgeber willkommen geheißen. Bis zuletzt liefen in Tucson die Sicherheitsplanungen der US-Behörden auf Hochtouren, inklusive baulicher Schutzmaßnahmen und interkultureller Schulungen für das Stadionpersonal. Weder die FIFA noch die Verantwortlichen in Arizona haben den Wechsel bislang offiziell kommentiert, Taj betonte jedoch, dass der Vertrag finalisiert werde und keine Hindernisse mehr vorliegen.

Visa-Streit und Sicherheitsbedenken im Hintergrund

Schon im März, kurz nach Beginn des Krieges, stellte der Iran die Reise in die USA infrage, nachdem US-Präsident Donald Trump über soziale Medien erklärt hatte, eine Teilnahme Irans sei aus Sicherheitsgründen "nicht angemessen". Später lenkten Trump und sein Außenminister Marco Rubio ein und hießen das Team willkommen. Dennoch forderte der Iran strikte Garantien.

Vor allem die Visavergabe blieb ein wunder Punkt: Mehreren iranischen Funktionären mit mutmaßlichen Verbindungen zu den Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) – darunter auch Verbandschef Taj selbst – war bereits im Dezember die Einreise verweigert worden; auch den FIFA-Kongress in Kanada verpassten sie kürzlich aus diesem Grund.

Logistischer Vorteil trotz Reise-Hürden

Der Umzug nach Mexiko soll diese bürokratischen und politischen Hürden nun umgehen. "Mit dieser Änderung gehören Probleme im Zusammenhang mit Visa und ähnlichen Angelegenheiten der Vergangenheit an, da das iranische Team über Mexiko einreisen wird", so Taj. Während des Turniers wird der Tross somit auf mexikanischem Boden residieren. Für die Gruppenspiele, die im südkalifornischen Inglewood (SoFi Stadium) sowie in Seattle (Lumen Field) stattfinden, müssen die Spieler und der engere Betreuerstab jedoch weiterhin für die jeweiligen Spieltage in die USA einreisen. Eine von Teheran geforderte komplette Verlegung der Spiele nach Mexiko hatte die FIFA bereits im März abgelehnt.

Sportlich und logistisch sieht der iranische Verband in Tijuana sogar einen Vorteil gegenüber dem rund 320 Kilometer entfernten Tucson: Die moderne Sportanlage biete erstklassige Trainingsplätze, Fitnessräume und ein privates Restaurant. Zudem verkürze sich die Reisezeit zu den beiden Vorrundenspielen im Großraum Los Angeles auf nur noch rund 55 Minuten Flugzeit bzw. knapp dreieinhalb Busstunden. Während die Vorbereitungen in Mexiko nun anlaufen, ließen Anfragen an das US-Außenministerium sowie an die FIFA am Wochenende zunächst eine offizielle Stellungnahme vermissen.