Belgien trotzt der Ungerechtigkeit – und leitet die Trendwende ein?

Mechele, Castagne und Ngoy jubeln
Mechele, Castagne und Ngoy jubelnIMAGN IMAGES via Reuters/Troy Wayrynen

Romelu Lukaku brüllte seine Freude in den Himmel über Seattle, dann tanzte er mit seinen Teamkollegen lachend den Trump-Tanz – und auch der belgische Verband widmete sich noch einmal dem US-Präsidenten, der FIFA und all der Ungerechtigkeit der vergangenen Tage: "Overturn this", schrieben die Red Devils in den Sozialen Medien zu den Jubelbildern: "Hebt das hier auf" – wenn ihr euch traut.

"Das hier", das war das überzeugende 4:1 (2:1) gegen den Gastgeber USA an einem denkwürdigen WM-Abend in Seattle. Im Leben "gebe es immer eine gewisse Gerechtigkeit", erklärte Mittelfeldspieler Nicolas Raskin: "Das hat uns vielleicht ein bisschen zusätzliche Energie gegeben".

Zum Match-Center: USA vs. Belgien

Energie, um das Unrecht zu rächen, welches US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino über den Fußball gebracht hatten – per Telefonat, um die Rote Karte des US-Stürmers Folarin Balogun auszusetzen und ihm einen Einsatz gegen Belgien zu erlauben.

"Ethik und Integrität" des Fußballs verteidigt

Vielleicht war es in gewisser Weise das wichtigste Spiel der WM. Das Team verteidige nicht etwa die "Nationalmannschaft oder den Verband", hatte Nationaltrainer Rudi Garcia im Vorfeld betont, sondern "den Fußball mit seiner Ethik und Integrität".

FIFA WM 2026

Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird vom 11. Juni und 19. Juli ausgetragen. Bei Flashscore findest du alle Infos zur Endrunde in in den USA, Kanada und Mexiko. 

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Die WM-Trophäe
Die WM-TrophäeEyepix/ABACA / Abaca Press / Profimedia

Gefühlt drückte nun die ganze Fußballwelt den Belgiern die Daumen, und sie lieferten eiskalt und diszipliniert die perfekte Antwort. "Wen wirst du jetzt anrufen, Donald?", fragte sich dann auch das "Nieuwsblad", recht herzlich bedankte sich die Tageszeitung für die zusätzliche Motivation der Spieler.

Hat Belgien rechtzeitig seine Form gefunden?

Nach Spielende lag sich dann die Mannschaft in den Armen – ausgerechnet die aufwühlenden Tage des "Falles Balogun" könnten die Trendwende bei den "Roten Teufeln" eingeleitet haben. Noch zum Auftakt der WM hatte die Mannschaft mit blutleeren und uninspirierten Auftritten enttäuscht. Es waren nicht die Ergebnisse, nicht das Auftreten, nicht die Spielweise, die sich der ewige Geheimfavorit im Vorfeld ausgemalt hatte.

Und so war der erste Eindruck bei diesem Turnier mal wieder: Die Ära von Belgiens goldener Generation, die nie golden, aber immerhin einmal bronzen war, neigt sich beharrlich dem Ende zu. 2018 wurde das Team in Russland noch WM-Dritter, 2022 in Katar war nach der Vorrunde bereits Schluss. Die Kluft zwischen Erwartung und Realität wuchs.

Der Sieg über die bislang so schwungvollen USA unter schwierigen Bedingungen vermittelte nun wieder ein völlig anderes Bild, und vielleicht geht der Weg in diesem Jahr doch weiter als gedacht. In Europameister Spanien wartet am Freitag (21.00 Uhr MESZ) der ultimative Gradmesser. Das Viertelfinale zumindest kann den Belgiern niemand mehr nehmen – wohl nicht einmal Trump, sollte er mal wieder zum Telefon greifen.