Geteilte Geschichte, irre Ideen: Wiedersehen zwischen Luis Enrique und Mikel Arteta

Luis Enrique (l.) und Mikel Arteta (r.) im Halbfinale der Champions League 2024/25
Luis Enrique (l.) und Mikel Arteta (r.) im Halbfinale der Champions League 2024/25NEIL HALL / EPA / Profimedia

Vor dem Finale der UEFA Champions League (Samstag, 18 Uhr) zwischen PSG und Arsenal stehten auch die beiden Trainer im Fokus. Luis Enrique und Mikel Arteta haben ihre Teams endgültig in die Weltspitze geführt. Die beiden Spanier eint ihre gemeinsame Geschichte – und die Vorliebe zu ungewohnten Kniffen.

Mikel Arteta blieb beim FC Barcelona einst nur die Flucht. Als der aufstrebende Teenager um die Jahrtausendwende versuchte, sich einen Platz im prominent besetzten Mittelfeld des Weltklubs zu erkämpfen, war kein Durchkommen.

Xavi, Andrés Iniesta, Emmanuel Petit, Rivaldo, Jari Litmanen, aber auch Kapitän Pep Guardiola sowie: Platzhirsch Luis Enrique. Arteta sah sich zu einem anderen Karriereweg gezwungen.

Die Zeit in Barcelona bezeichnete Arteta später als "schreckliche Erfahrung". Ausgerechnet über eine Leihe zu PSG nahm seine Karriere Fahrt auf. 

Beidseitige Lobeshymnen

Über 25 Jahre später kommt es zu einem brisanten Wiedersehen mit seinem Ex-Klub – und mit Luis Enrique. Im Champions-League-Finale von Budapest stehen sich die beiden Spanier als Trainer gegenüber.

Für Arteta – den Herausforderer – geht es im Duell des FC Arsenal mit Paris Saint-Germain nicht mehr um einen Platz im Mittelfeld des FC Barcelona. Es geht um den Gewinn der UEFA Champions League, die begehrteste Trophäe im europäischen Vereinsfußball.

Enrique prägt die erfolgreichste Zeit in der Geschichte von PSG
Enrique prägt die erfolgreichste Zeit in der Geschichte von PSGREUTERS/Benoit Tessier

Lobhudeleien gehören vor dem Endspiel am Samstagabend (18 Uhr/ZDF, DAZN & Flashscore-Audioreportage) zum guten Ton. "Ich schätze ihn sehr", sagte PSG-Trainer Enrique über Arteta, den er damals "Mikelito" genannt hatte.

Er sei ein "Leader", der die Siegermentalität bei den Gunners wiederhergestellt habe. Der Arsenal-Coach wiederum attestierte seinem Gegenüber und früheren Mitspieler eine "Superpower" – Enrique sei so überzeugt von dem, was er tue.

Match-Center: PSG vs. Arsenal

Zurück an der Spitze

Angebracht sind derartige Komplimente tatsächlich. Schließlich führten beide Trainer ihre Klubs zu großen Erfolgen. Der 56-jährige Enrique formte in Paris einen Haufen von Individualisten zu einer eine echten Einheit. Auch dank finanzkräftiger Unterstützung aus Katar wurde im Vorjahr zum ersten Mal die Champions League gewonnen.

Der 44-jährige Arteta wiederum haucht dem lange strauchelnden Arsenal seit 2019 neues Leben. Sein oft verhöhntes Motto "Vertraue dem Prozess" sollte sich tatsächlich auszahlen. Nach 22 Jahren Wartezeit wurde endlich wieder die Premier League gewonnen. Der Henkelpott soll folgen.

Arteta nach dem Gewinn der englischen Meisterschaft
Arteta nach dem Gewinn der englischen MeisterschaftAction Images via Reuters/Matthew Childs

Vom Fußball besessen

Beide Trainer verbindet eine obsessive Detailarbeit und der Mut zu verrückten Ideen. Enrique etwa lässt seine Spieler den eigenen Anstoß ins Seitenaus schießen, um ins Pressing zu kommen. 

Arteta wiederum sorgte mit einer Eckball-Revolution, aber vor allem auch mit aberwitzigen Ansprachen für Aufsehen. 2021 nahm er in der Kabine eine Glühbirne in die Hand und erzählte von der Erfindung Thomas Edisons aus dem 19. Jahrhundert. Sein Team müsse verbunden sein und Energie erzeugen, forderte er. Zudem "verpflichtete" er 2023 einen Labrador als Teamhund, der auf den Namen "Win" hört.

Verehrung für Guardiola

Auch die Wurzeln in Barcelona einen Arteta und Enrique – und der Einfluss des Weggefährten Guardiola. Enrique pflegt eine enge Freundschaft zum einstigen Teamkollegen. Arteta lernte von 2016 bis 2019 als Co-Trainer an dessen Seite. Fast wortgleich sprechen sie vom "besten Trainer der Welt" (Enrique) oder gar dem "besten Trainer aller Zeiten" (Arteta).

Der scheidende City-Manager wird von beiden Coaches verehrt
Der scheidende City-Manager wird von beiden Coaches verehrtAction Images via Reuters/Jason Cairnduff