Seider über DEB: "Keine wirkliche Identität" – Bundestrainer Kreis unter Druck

Trotz des Sieges gegen Großbritannien steht das DEB-Team vor dem Aus.
Trotz des Sieges gegen Großbritannien steht das DEB-Team vor dem Aus.REUTERS/Denis Balibouse

Nach dem sportlich enttäuschenden Vorrundenabschluss der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz herrscht erhebliche Unruhe. Trotz eines Pflichtsieges zum Abschluss wächst die Kritik am sportlichen Zustand des Teams, während die sportliche Führung die Zukunft von Bundestrainer Harold Kreis vorerst offenlässt.

Das deutsche Team verabschiedete sich zwar mit einem 6:3-Erfolg gegen den Absteiger Großbritannien aus der Gruppenphase, steht jedoch wie schon im Vorjahr vor dem vorzeitigen WM-Aus. Eine theoretische Chance auf das Viertelfinale besteht nur noch, falls Außenseiter Ungarn am Dienstag den Gruppenkonkurrenten Lettland in der regulären Spielzeit bezwingt.

Zum Match-Center: Deutschland vs. Großbritannien

Angesichts dieses Szenarios zog Kapitän Moritz Seider ein schonungsloses Fazit: "Ich weiß nicht, ob es ein Rückschritt war. Aber wir befinden uns in einer schwierigen Phase. Ich finde, wir haben im Moment keine wirkliche Identität, die uns auszeichnet", erklärte der NHL-Star sichtlich frustriert gegenüber dem SID. Seider ließ zudem offen, ob ein Weiterkommen überhaupt verdient wäre, und verwies auf die verpassten Gelegenheiten des Turniers. Da die Kader anderer Topnationen in diesem Jahr weniger prominent besetzt waren, sei "wesentlich mehr drin gewesen". Der Anspruch des Vizeweltmeisters von 2023 müsse dauerhaft die Runde der besten acht Teams sein. Stattdessen verharre die Auswahl auf dem Niveau des Vorjahres, als man in Dänemark ebenfalls nach der Vorrunde ausschied. 

Kreis-Zukunft auf der Kippe

In der laufenden Gruppenphase gelangen der Mannschaft von Bundestrainer Harold Kreis lediglich Siege gegen die Außenseiter Österreich (6:2), Ungarn (6:2) und Großbritannien. Demgegenüber standen empfindliche Niederlagen gegen Finnland, Lettland, Gastgeber Schweiz sowie eine bittere Pleite nach Penaltyschießen gegen eine mäßig besetzte US-Auswahl. "Es ist sehr frustrierend, sehr bitter. Die Erwartung von jedem war wesentlich höher als der Ist-Zustand", so Seider.

Die unbefriedigende sportliche Entwicklung spiegelt sich auch in der schwindenden Rückendeckung für den Headcoach wider. Bereits vor der finalen Partie gegen Großbritannien begleiteten lautstarke Buhrufe der deutschen Fans die Namensnennung des 67-jährigen Kreis. DEB-Sportvorstand Christian Künast vermied nach der Partie ein klares Bekenntnis zum Bundestrainer und ließ dessen Zukunft demonstrativ offen: "Darüber brauchen wir noch nicht zu sprechen. Lasst uns erstmal die Analyse machen. Das Turnier ist ja noch nicht mal zu Ende", blockte Künast entsprechende Nachfragen ab. Er betonte, dass er sich vor Abschluss aller Spiele noch nie zu solchen Personalien geäußert habe.

Die Aufarbeitung des Turniers, das nach dem Vorrunden-Aus 2025 und den enttäuschenden Olympischen Spielen in Mailand bereits die dritte sportliche Enttäuschung in Serie darstellt, soll am kommenden Montag beginnen. Die Zeit drängt, da der Verband vor einer richtungsweisenden Phase steht: Im kommenden Jahr richtet Deutschland die Heim-Weltmeisterschaft aus, deren Partien in Düsseldorf, Mannheim und auf Schalke ausgetragen werden. Ob Kreis das Team in dieses Heimturnier führen wird, bleibt nach den jüngsten Auftritten und den Reaktionen der Verbandsführung ungewiss.