"Leuchtet uns dort oben den Weg": Diogo Jotas Geist rettet Ronaldos WM-Traum

Aktualisiert
Cristiano Ronaldo ist sichtlich ergriffen
Cristiano Ronaldo ist sichtlich ergriffenREUTERS/Mike Segar

Cristiano Ronaldo streifte sich für die Ehrenrunde das Trikot mit der Nummer 21 über. Der Nummer, die sein genau vor einem Jahr verstorbener Teamkollege und Freund Diogo Jota in der portugiesischen Nationalmannschaft trug. Sichtlich ergriffen zeigte CR7 mit dem Finger Richtung Himmel, wischte sich die Tränen aus den Augen. Anschließend posierte das gesamte Team mit dem Trikot von Jota für ein gemeinsames Siegerfoto nach dem dramatischen 2:1-Sieg gegen Kroatien.

Jota, da war sich der Kapitän sicher, sei "dort oben und leuchtet uns den Weg". Für ihn wollen Ronaldo und Co. Weltmeister werden."Wir haben für uns, für Diogo und für Portugal gewonnen!!! Vamos!" schrieb Torschütze Cristiano Ronaldo (68., Foulelfmeter nach Videobeweis) bei Instagram.

In der Tat war Diogo Jota am Donnerstagabend Ortszeit in Toronto für die Portugiesen allgegenwärtig. "Wir ziehen eine Menge Energie daraus, was Diogo für das Team bedeutet hat", sagte Trainer Roberto Martinez: "Er war jemand, der immer daran geglaubt hat. Wir haben eine Verantwortung für Diogo und werden für ihn weitermachen. Das ist, was wir in diesem Turnier zu tun haben."

"Wir alle hatten das Gefühl, dass er bei uns ist, und deshalb war es heute nur richtig, dieses Spiel zu gewinnen, um ihm auf die bestmögliche Weise Tribut zu zollen", sagte Ronaldo nach dem 2:1 (0:0)-Sieg im Sechzehntelfinale der Altstars in Toronto gegen Luka Modric und seine Kroaten. Genau 365 Tage nach dem tödlichen Autounfall leitete Jotas Geist Portugal zu einem hart erkämpften Erfolg, der Ronaldos großen Titeltraum am Leben hielt.

Wahrlich fühlte es sich gegen Ende an, als führe eine unsichtbare Hand die Geschicke auf dem Rasen, als Goncalo Ramos (90.+4) spät das Siegtor köpfte und noch später der vermeintliche Ausgleich von Kroatiens Josko Gvardiol (90.+13) aberkannt wurde. 

Cristiano im Jota-Trikot
Cristiano im Jota-TrikotREUTERS/Mike Segar

Portugiesen sprechen von verdientem Sieg

"Jeder Tag ist etwas Besonderes, weil wir jeden Tag mit ihm sprechen, er gibt uns Kraft", sagte Siegtorschütze Goncalo Ramos (90.+4), der den Portugiesen ein Achtelfinal-Duell mit Spanien am Montag in Dallas bescherte.

Er sei sich "sicher", dass Jota beim dramatischen Erfolg gegen Kroatien "bis zur letzten Minute des Spiels geholfen hat", sagte Rafael Leao: "Kroatien hat ebenfalls ein sehr gutes Spiel gemacht, aber ich glaube, wir haben es wirklich verdient, in die nächste Runde zu kommen, und wieder einmal hatten wir diesen zusätzlichen Faktor, nämlich Diogo Jota, der bei uns war." Das Team wolle ihm "diesen Sieg widmen".

Match-Center: Portugal vs. Kroatien

Krönung beim last dance?

Dies sind die Triebfedern für den portugiesischen Erfolg: Jotas Andenken und Ronaldos Vermächtnis. Nach dem Rückstand durch Ivan Perisic (53.) hatte es nämlich so ausgesehen, als müsste der fünfmalige Weltfußballer und Champions-League-Sieger sowie Europameister von 2016 wirklich mit dem Makel von der großen Bühne abtreten, niemals Weltmeister geworden zu sein. Das konnten die Portugiesen nicht zulassen.

Sie wollen, verriet Leao, "Cris diesen Pokal schenken – das ist es, was ihm noch fehlt". Denn ewig wird der 41-Jährige nicht mehr für Portugal spielen. Bei der EM in zwei Jahren wäre er 43, die nächste WM 2030 scheint mit dann 45 Jahren utopisch. Und schon jetzt spielt Ronaldo ein äußerst durchwachsenes Turnier. Auch gegen Kroatien war er quasi nicht existent, ehe er einen Foulelfmeter (68.) zum 1:1-Ausgleich verwandelte – und das Stadion mit seinem "SIU"-Jubel zum Beben brachte.

Eindeutig steht Ronaldo, der sein erstes Tor in der K.o.-Runde einer WM und seinen dritten Turniertreffer feierte, bei der XXL-WM in Nordamerika im Schatten des wie wild einnetzenden Star-Quartetts, bestehend aus Lionel Messi, Kylian Mbappé, Erling Haaland und Harry Kane. Möchte er das ändern, braucht es die Heldentaten, die er früher zu erbringen imstande war. Am besten schon im Achtelfinale am kommenden Montag (21.00 Uhr MESZ) in Dallas gegen Europameister Spanien.

Doch auch ein so selbstbewusster Zeitgenosse wie Ronaldo gibt sich keinen Illusionen hin, was die Komplexität der vor ihm liegenden Aufgabe angeht. "Es wird ein schweres Spiel werden. Wir wissen, dass Spanien zu den Favoriten auf den Weltmeistertitel zählt", sagte Ronaldo. Weltmeisterschaften seien aber "immer schwierig", so der Altmeister: "Jetzt geht es um alles für uns, jetzt müssen wir weiterkommen." Und Diogo Jota wird von oben aus nur zu gerne mithelfen.

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