Der Kölner Sportmediziner Hans-Georg Predel sieht diese Entwicklung kritisch. Aus seiner Sicht bringt eine verlängerte Halbzeit zwar Vorteile bei der Erholung, birgt aber auch sportliche Risiken.
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Längere Pause verändert die körperlichen Voraussetzungen
"Die derzeitige Halbzeitdauer von 15 Minuten hat sich nicht zufällig etabliert. Sie stellt einen guten Kompromiss zwischen einer kurzen Erholung und dem Erhalt der körperlichen Leistungsbereitschaft dar", sagte Predel, Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln.
Eine Verlängerung auf 25 oder sogar 30 Minuten "verändert die physiologischen Voraussetzungen deutlich". Zwar könnten sich Spieler wie Lamine Yamal oder Lionel Messi etwas besser regenerieren, gleichzeitig sinken jedoch Muskeltemperatur, Herzfrequenz und die neuromuskuläre Aktivierung.
"Studien haben gezeigt, dass schon ein Rückgang der Muskeltemperatur um ein bis zwei Grad Celsius die maximale Kraftentwicklung, Sprintgeschwindigkeit und Schnellkraft negativ beeinflussen kann. Da Fußball von kurzen explosiven Aktionen lebt, kann dies gerade unmittelbar nach Wiederbeginn leistungsrelevant sein."
Reaktivierung wird zum entscheidenden Faktor
Nach Einschätzung des Sportmediziners steigt mit einer längeren Unterbrechung zumindest theoretisch auch das Verletzungsrisiko. Deshalb sei ein gezieltes Aufwärmprogramm unmittelbar vor Wiederbeginn besonders wichtig.
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"Idealerweise erfolgt in den letzten drei bis fünf Minuten vor Wiederbeginn ein strukturiertes Reaktivierungsprogramm mit Laufübungen, Mobilisation sowie kurzen Steigerungs- und Sprintbewegungen", erklärte Predel. "Viele Spitzenmannschaften praktizieren dies bereits nach normalen Halbzeitpausen – bei einer längeren Unterbrechung wird diese Reaktivierung noch wichtiger."
Neben den körperlichen Aspekten dürfe auch die mentale Vorbereitung nicht unterschätzt werden. Gerade in einem WM-Endspiel könnten kleinste Unkonzentriertheiten den Unterschied ausmachen. "Die mentale Komponente ist gerade in einem WM-Finale, in dem kleinste Fehler spielentscheidend sein können, nicht zu unterschätzen", sagte Predel. "Ein professionelles Reaktivierungsprogramm umfasst deshalb immer sowohl körperliche als auch mentale Aktivierung."
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