Politik spielt mit: Der Fall Artan und die Grenzen der WM - "nicht genehm" für Einreise

Omar Artan ist einer der Top-Schiedsrichter.
Omar Artan ist einer der Top-Schiedsrichter.Thor Wegner / DeFodi Images / Profimedia

Für Schiedsrichter Omar Artan aus Somalia war schon am Flughafen Endstation. Die politische Dimension der WM wird größer.

Am Flughafen von Miami war für Omar Artan Endstation. Der WM-Schiedsrichter aus Somalia legte ein gültiges Visum vor, doch das genügte den US-Behörden nicht. "Bedenken bei der Sicherheitsprüfung" hätten eine Einreise verhindert, teilte die US-Grenzbehörde CBP später vage mit, Details gab es nicht. Noch am selben Tag saß der beste Referee Afrikas in einem Flugzeug in Richtung Istanbul.

"Ich hatte die richtigen Unterlagen und alles. Ich hatte das richtige Visum", beteuerte Artan im Gespräch mit der New York Times nach seiner Landung in der Türkei. "Ich glaube, dass sie ein Problem mit meinem Land haben." Er sei elf Stunden lang befragt und dann in eine Einzelzelle gebracht worden. "Ich bin sehr, sehr enttäuscht. Ich bin einfach nur ein Schiedsrichter, der versucht, seinen Traum zu leben. Den größten Traum meines Lebens, zur Weltmeisterschaft zu kommen", sagte er.

Artan war der Stolz eines ganzen Landes: Nie zuvor hatte ein Schiedsrichter aus Somalia bei einer WM gepfiffen. Doch spätestens mit seinem Fall wurde klar, wer bei dem Mega-Event das letzte Wort hat - natürlich nicht die FIFA unter Gianni Infantino, die Artan zuvor als einen von 52 Schiedsrichtern nominiert hatte, sondern dessen guter Kumpel Donald Trump.

Denn Somalia gehört zu jenen Ländern, die auf einer von Präsident Trump eingeführten Einreiseverbotsliste stehen. Auch der Iran hatte die Unterteilung in "genehm" und "nicht genehm" zu spüren bekommen: Große Teile der nach Mexiko ausgewichenen Delegation dürfen nicht zu den drei Partien in die USA reisen, auch die Spieler sind dort wohl nur für eine begrenzte Zeit erwünscht.

Viele Fans aus den betroffenen Ländern, etwa aus Haiti, versuchten erst gar nicht, das Land zu betreten. Und wer schon vor Ort ist, bekommt weitere Hürden in den Weg gelegt. Am Dienstag teilte der iranische Verband mit, dass die USA das vorgesehene Ticketkontingent für seine Anhänger gestrichen hätten.

FIFA lässt Verantwortung bei der USA

Laut FIFA-Regularien stehen den teilnehmenden Verbänden bei jedem Spiel acht Prozent der Karten zu, für Iran gilt das offenbar nicht. "Unter den gegenwärtigen Umständen ist der Verband nicht in der Lage, auch nur ein einziges Ticket bereitzustellen", hieß es. Weder die FIFA noch die US-Organisatoren äußerten sich zunächst zu den Vorwürfen.

Schon im Fall Artans hatte der Weltverband machtlos zugeschaut. "Wie bei früheren FIFA-Veranstaltungen entscheidet letztlich die Regierung des Ausrichterlandes darüber, wer ins Land einreisen darf", sagte ein Sprecher. Die FIFA sei informiert worden, "dass der Status von Herrn Artan derzeit nicht geändert wird", der 34-Jährige wurde aus der Liste der WM-Referees gestrichen. Das Leiten von Spielen in Kanada oder Mexiko war offenbar keine Option.

In der Heimat sorgte der Fall für Kopfschütteln. Das Vorgehen untergrabe "das Bekenntnis des Fußballs zu Fairness, Leistung und dem Geist des Fairplay", sagte Ciise Aden Abshir, leitender Berater des somalischen Ministeriums für Jugend und Sport und ehemaliger Kapitän der Nationalmannschaft, gegenüber AFP. Das Ministerium selbst bekräftigte am Dienstag sein "volles Vertrauen in die Integrität und Professionalität" des Unparteiischen.

Und Artan, immerhin seit 2018 FIFA-Schiedsrichter und 2025 zu Afrikas Unparteiischem des Jahres gekürt? Er wolle sich nun ganz auf die Zukunft fokussieren, teilte er AFP mit.