Thomas Tuchel wünschte sich schulfrei für englische Kinder, die britische Regierung hob stattdessen kurzerhand die Sperrstunde auf: Weil die Three Lions erst in der tiefsten britischen Nacht im WM-Kracher gegen Mexiko um das Viertelfinal-Ticket spielen sollten, erließ der scheidende Premierminister Keir Starmer am Donnerstag eine Notfallregelung für verlängerte Ausschank- und Öffnungszeiten. Also, Cheers und hoch die Pints!
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Anstoß doch früher?
Benötigt wird die Notfallregel nun aber aller Voraussicht nach nicht – jedenfalls nicht wie angedacht: Weil zum geplanten Spielbeginn um 18.00 Uhr Ortszeit in Mexiko-Stadt (Mo., 01.00 Uhr englischer Zeit) Unwetter mit Überflutungen erwartet werden, denkt die FIFA nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP darüber nach, den Anstoß vorzuverlegen. Im Gespräch ist ein Anstoß um die Mittagszeit und damit um 19.00 Uhr englischer Zeit (20.00 Uhr MESZ).
Die Engländer kämen dann auch früher ins Bett. Pubs und Bars in England und Wales hätten nach dem Regierungserlass bis vier Stunden nach dem Anpfiff und damit bis um 5.00 Uhr morgens geöffnet bleiben dürfen. Nun können glückliche Arbeiter zwischen Liverpool, Leicester und London siegestrunken direkt vom ersten WM-Titel seit 1966 träumen – wenn Mexiko nicht zum großen Partycrasher wird.
"Atmosphäre wird unglaublich sein"
Der Co-Gastgeber schwimmt nach vier Siegen in vier Spielen seinerseits auf einer Riesenwelle der Euphorie, genießt den Heimvorteil und ist längst an die topografischen Besonderheiten im legendären Aztekenstadion angepasst.
"Ein Spiel gegen Mexiko im 'Azteca' gehört zu den größten und faszinierendsten Aufgaben, die es im internationalen Fußball gibt", sagte Tuchel. Torgarant Harry Kane, mit zwei Treffern beim mühsamen 2:1-Sieg gegen Außenseiter DR Kongo im Sechzehntelfinale erneut Englands Lebensversicherung, geriet ebenso ins Schwärmen: "Mexiko in Mexiko – größer geht es bei einer Weltmeisterschaft kaum. Die Atmosphäre wird unglaublich sein."
80.000 fußballverrückte Fans in Grün, Weiß und Rot sind für England dabei nur ein Teil des Problems. Mexikos Team ist die dünnere Luft auf 2200 Höhenmetern in der Hauptstadt gewöhnt. "Die Höhenlage wird ein erheblicher Nachteil für uns sein. Darauf können wir uns innerhalb von vier Tagen körperlich nicht anpassen. Das ist schlicht unmöglich", mutmaßte Tuchel: "Es werden sicherlich noch weitere Schwierigkeiten dazukommen. Aber wir sind bereit, uns ihnen zu stellen."
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"Geht darum, einen Weg zu finden"
Hürden haben die nicht immer überzeugenden Engländer bei dieser WM ja schon einige gemeistert. Gegen die DR Kongo zeigte das Team Moral, ließ sich weder von einem überraschenden Rückstand noch von diversen verpassten Großchancen entmutigen. "Gerade in K.o.-Spielen geht es nicht immer darum, den perfekten Fußball zu spielen. Es geht darum, einen Weg zu finden", sagte Tuchel: "Wenn es schwierig wird, werden wir auch diesmal Lösungen finden."
Darauf hoffen werden auf der Insel auch all die Jungen und Mädchen, die ihren Idolen um Kane, Jude Bellingham oder Declan Rice die Daumen drücken. Ein verbindliches Entgegenkommen für die (zu) späte Anstoßzeit hatte Tuchel für sie – anders als bei den Erwachsenen – jedoch nicht herausschlagen können.
Augenzwinkernd hatte der deutsche Teamchef nach dem Einzug ins Achtelfinale für eine weitere Ausnahmeregelung plädiert. "Schreibt eine Entschuldigung für die Schule und lasst sie Fußball schauen", so Tuchel in Richtung aller Eltern: "Es gibt noch genug Schule – die Weltmeisterschaft ist nur alle vier Jahre."
Die Regierung stellte allerdings klar: Kinder sollen am Montag trotzdem zum Unterricht gehen. Können sie nun auch. Übermüdet sollten sie nicht sein.

