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Kommentar: Unscheinbares Fußball-Monster

Unscheinbar, aber mehr als nur gefährlich: de la Fuentes Spanier
Unscheinbar, aber mehr als nur gefährlich: de la Fuentes SpanierFoto von PAUL ELLIS / AFP

Weltmeisterlich. Mit einem passenderen Adjektiv lässt sich die Vorstellung der Spanier gegen Frankreich kaum beschreiben. Hinten grandios, vorne eiskalt: Ruft der Europameister seine Leistung aus dem Halbfinale von Dallas auch im Endspiel am Sonntag ab, kann der Champion 2026 nur Spanien heißen. Egal, wer der Gegner ist.

Ob Iker Casillas, Xavi, Carles Puyol oder Sergio Ramos - einträchtig staunend saßen die 2010-Weltmeister am Dienstag auf der Tribüne. Staunend über die Defensive ihrer spanischen Erben, die in sieben WM-Spielen nur ein Gegentor bekommen haben und gegen den französischen Supersturm um Kylian Mbappé nicht einmal in Verlegenheit gerieten. Staunend über das von Pass-Roboter Rodri perfekt orchestrierte Tiki-Taka 2.0. Und staunend über das hocheffiziente Angriffsspiel von Dani Olmo und Konsorten.

Zum Match-Center: Frankreich vs. Spanien

Klammert man die Niederlage im Nations-League-Finale des letzten Jahres im Elfmeterschießen gegen Portugal aus, hat Spanien unter Trainer Luis de la Fuente seit März 2023 keine Partie mehr verloren. 37 Pflichtspiele dauert diese Serie inzwischen an, und es gibt keinen Anhaltspunkt, warum sich dies nun ändern sollte.

Frankreich chancenlos

Spanien, die Älteren werden sich erinnern, spielt anno 2026 wie mit seiner Superelf von 2010. Nur vielleicht noch etwas besser. Wie vor 16 Jahren ist Ballbesitz das Markenzeichen, doch die neue Generation um Lamine Yamal agiert deutlich direkter, vertikaler und aggressiver als noch vor einigen Jahren.

Trainer de la Fuente hat seit seiner Inthronisierung 2022 ein unscheinbares Fußball-Monster erschaffen, das unbemerkt daherkommt und lautlos sein Gift injiziert. Ein Team ohne Allüren. Und (bis auf Yamal) ohne die ganz großen Stars. Die spanische Mannschaft, so beschrieb es die Sportzeitung Marca treffend, "öffnete nachts den Prado und den Louvre, um ins zweite WM-Endspiel ihrer Geschichte einzuziehen".

Eine Minderheit hatte die Roten vor der Halbfinal-Gala gegen den französischen Vize-Weltmeister auf dem Zettel. Dann schlug das Team, das ohne einen Spieler von Rekordmeister Real Madrid auskommt, eiskalt zu. Ein Fakt, der bei der Konkurrenz weiteres Unbehagen auslösen dürfte: Jungstar Yamal hat sein großartiges Potenzial bei dieser WM noch gar nicht richtig ausgeschöpft.