Bierdusche fällt aus: Kompany bleibt trocken – Hoeneß ärgert sich über Pyro-Show

Vincent Kompany mit dem DFB Pokal nach dem Finalsieg gegen Stuttgart
Vincent Kompany mit dem DFB Pokal nach dem Finalsieg gegen StuttgartREUTERS/Maryam Majd

Die obligatorische Bierdusche für den Trainer des DFB-Pokalsiegers fiel aus. Vincent Kompany saß dort oben auf dem Podium im Bauch des Berliner Olympiastadions und beantwortete die Fragen der Journalisten, aber auf partywütige Spieler, die ihren Coach mit literweise Gerstensaft übergießen, wartete man vergeblich. Da drängte sich die Frage auf: Hatte Kompany den Profis des FC Bayern das feuchtfröhliche Vergnügen etwa verboten?

Der überragende Mann des Abends war zweifellos Harry Kane. Mit seinen Treffern 59 bis 61 entschied der 32-jährige Engländer das Finale fast im Alleingang. Nach Uwe Seeler (1963, HSV), Roland Wohlfarth (1986, FC Bayern) und Robert Lewandowski (2012, BVB) ist Kane erst der vierte Spieler in der Geschichte des Wettbewerbs, dem im DFB-Pokalfinale ein Dreierpack gelang. Nach dem Abpfiff konnte sich der Matchwinner vor Umarmungen kaum retten und reckte wenig später stolz die Trophäe in den Nachthimmel. "Das war auf jeden Fall eine der besten Nächte meiner Karriere", schwärmte der Stürmer.

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Von allen Seiten wurde der Engländer mit Lob überschüttet. Bayern-Trainer Vincent Kompany hob die Qualitäten seines Spielers hervor: "Er hat gezeigt, was für ein überragender Spieler er ist. Sein Spiel ist komplett. Er hat die Persönlichkeit für diese großen Spiele und die großen Momente." Selbst VfB-Trainer Sebastian Hoeneß musste das "Weltklasse-Gesamtpaket" des Angreifers neidlos anerkennen: "Es ist schwer zu glauben, was er da teilweise leistet." Bayern-Patron Uli Hoeneß legte bei Sky sogar noch nach: "Das ist der beste Transfer, den wir je gemacht haben."

Der Rekordmeister will den bis 2027 laufenden Vertrag mit Kane unbedingt verlängern. Konkretere Gespräche soll es laut Kane nach der Weltmeisterschaft geben. Der Brite betonte, wie glücklich er in München sei: "Wir haben ein fantastisches Team, vielleicht das beste in Europa, einen super Trainer. Ich genieße meine Zeit. Solche Nächte sind der Grund, wieso ich hergekommen bin."

Die ausgebliebene Bierdusche für Kompany

Kurios verlief die Pressekonferenz nach dem Spiel. Wer auf die traditionelle Bierdusche für den Siegertrainer wartete, wartete vergeblich: Vincent Kompany beantwortete die Fragen der Journalisten im Bauch des Olympiastadions völlig trocken. Auf die Frage, ob er den Spielern das feuchtfröhliche Spektakel verboten habe, entgegnete der Belgier schmunzelnd: "Ich bin zum ersten Mal hier im Finale. Ich kann nicht verbieten, was ich nicht weiß. Wenn das Tradition ist... ich sage mal, wir haben schon genug Bierduschen gehabt nach dem Spiel gegen Köln."

Vor einer Woche war Kompany nach dem letzten Bundesliga-Spieltag gegen den 1. FC Köln, als die Bayern die Meisterschale bekamen, bereits zünftig weißbiergeduscht worden. Diesmal entschwand der Coach trockenen Fußes in die Nacht. Für Partystimmung war dennoch gesorgt: "Was ich schon weiß, ist, dass es richtig Party gibt, machen Sie sich keine Sorgen", versicherte er, ehe die Münchner ihre Feierlichkeiten vom Olympiastadion in die Eventlocation Kraftwerk in Berlin-Mitte verlegten.

Ärger über Fan-Proteste und Pyrotechnik

Weniger begeistert als vom sportlichen Ausgang zeigte sich Uli Hoeneß von den Begleitumständen auf den Rängen. Im zweiten Abschnitt des Endspiels hatten beide Fanlager mit Bannern gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) protestiert und großflächig Pyrotechnik gezündet. Wegen der starken Rauchentwicklung musste Schiedsrichter Sven Jablonski das Spiel sogar vorübergehend unterbrechen.

"Das Spiel war natürlich super, aber was die Zuschauer auf beiden Seiten heute aufgeführt haben, ist eine Unverschämtheit. Die haben das Spiel total zerstört. Meine Frau hat mir gesagt: Am Fernsehen hat man lange Zeit nichts gesehen", schimpfte er bei Sky. Auch er habe auf seinem Platz stellenweise überhaupt keine Sicht gehabt. "Wenn die Zuschauer meinen, dass das ihre Form von Feiern ist, bin ich echt nicht mehr dabei", so Hoeneß deutlich. Er forderte spürbare Konsequenzen: "Die Vereine, der DFB und die Politik müssen hart durchgreifen, damit solche Unverschämtheiten nicht mehr passieren."